Wo sind eigentlich die deutschen Politblogger?

[white_box]Ich bin auf der Suche nach deutschen Politblogs. Bitte um Kommentare weiter unten oder an meinen Twitter-Account @martingiesler [/white_box]

Sicherlich. Das #peerblog ist nicht nur eine Nachricht wert. Es geht um die Frage der Finanzierung. Es geht um die als stümperhaft wahrgenommene Kommunikation zur Einführung des Blogs. Und es geht um den Abgang, der nahelegt, die Macher hätten zuviele billige Hackerfilme gesehen.

Aber es wirft auch eine ganz andere, viel grundlegendere Frage auf: Wo sind eigentlich die deutschen Politblogger?

Wenn es in Deutschland neben all den Fashion-, Social-Media-, Musik-, Nerd- und Katzenbloggern auch eine etablierte Masse an Politbloggern geben würden, wäre der Frage, welche Rolle Blogs in der politischen Kommunikation in Deutschland spielen schön geholfen. Es mutet doch etwas lächerlich an, wenn wir gerade von den politischen Akteuren erwarten, dass sie souverän Blog-Neuland betreten.

Wir können prima auf Twitter, Facebook und Google+ auf Inhalte aus amerikanischen Blogs verlinken. Wir können auch sehr gut Artikel schreiben, die aufzeigen, welchen Stellenwert soziale Medien und Blogs in der US-Politik spielen. Noch besser können wir schimpfen, dass es die deutschen Parteien nicht hinbekommen, sich wie Trottel benehmen, die falschen Freunde haben und überhaupt alles so schlecht machen, dass man sich vor Lachen kaum noch retten kann. Was wir aber nicht können, ist selber Politik mit kritischen Blogs zu begleiten.

Daher hilft es nichts, wenn wir Blogger nicht das machen, was wir auch ein Stück weit sein wollen: als Vorbilder fungieren. Wir wollen Prozesse kommentieren. Wir wollen Themen auf die Agenda setzen. Wir wollen neue Formen der Kommunikation etablieren. Aber warum funktioniert das in Deutschland primär nur mit Mode, Mukke und Autos?

Mir fällt Carta ein. Streitbar, aber konsequent. Und sonst? Klar, es gibt das großartige netzpolitik.org. Wirklich großartig. Aber sonst? Was ist los? Wo sind die grünen, gelben, schwarzen, roten, pinken Blogger? Die Streiter für das Gute? Diejenigen, die einem #peerblog zeigen, wie politisches Bloggen in Deutschland funktionieren könnte? Vor allem, dass es auch ohne einen kolportieren sechststelligen Betrag geht.

Ja, wo sind eigentlich die deutschen Politblogger?

[dark_box]Der Kollege Robert Basic hat sich heute die gleiche Frage gestellt. [/dark_box]
Martin GieslerWo sind eigentlich die deutschen Politblogger?

31 Comments on “Wo sind eigentlich die deutschen Politblogger?”

  1. Rüdiger Pannenborg

    Die gibt es nicht. Wir haben in dem Sinne ja auch keine Politikerinnen und Politiker. Wir haben nur Sebstdarstellerinnen und Selbstdarsteller. Als Bevölkerung sind wir nur das Beiwerk. Auch als Wählerinnen und Wähler. Leider. Eine Diskussion über Ethik und Moral in der Politik und in diesem Lande gibt es nicht mehr.

  2. Jannis Kucharz

    Lesenswert ist sicherlich Sprengsatz.de mit hintergründigen Einsichten und spitzen Kommentaren. Es gibt noch den spiegelfechter und einige kleinere, aber eine politische Blogosphäre kann ich wohl auch nicht erkennen.

  3. Martin Fuchs (@wahl_beobachter)

    Also spontan fallen mir http://www.sprengsatz.de/ und carta.info als allgemeinpolitische (unabhängige) Blogs ein. Dann noch eine ganze Menge von sachpolitischen Blogs z.B. zur NSU, Ernährung, Außen-Sicherheitspolitik, Waffen oder eben Netzpolitik. Zudem gibts noch unzählige Blogs von Politikern selber.

    Und auf http://www.hamburger-wahlbeobachter.de gehts ja auch ziemlich viel um Politik und Politikvermittlung ;)

    Wer erstellt mal eine Liste der Blogs?

  4. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 6 in 2013 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2013

  5. TmoWizard

    Hallo Martin!

    Was bitte bringt es, wenn man als Blogger über unsere Politiker und deren Machenschaften schreibt? Gar nichts, man wird entweder gar nicht beachtet oder als Verschwörungstheoretiker betrachtet! Die deutschen Politiker schimpfen z. B. auf die Überwachungsmethoden anderer Länder und alle ziehen mit, gleichzeitig wird aber hier in Deutschland die gleiche Architektur aufgebaut und niemanden interessiert es. Da kann ich so viele Artikel darüber schreiben wie ich will, es geht den Leuten aber am Ar*** vorbei!

    @Rüdiger:

    Beiwerk? Wir sind nur Stimmvieh, welches gefälligst zu gehorchen hat! Eine eigene Meinung ist gar nicht erwünscht, nur die Meinung der geschmierten Politiker und deren ebenfalls geschmierten Verlage zählt. Erkundige dich mal, wer dort mit in der Führung sitzt. Auf meinem Castle schreibe ich immer wieder mal darüber, aber kaum jemand interessiert sich dafür. Ich schreibe trotzdem weiter, vielleicht hilft es ja irgendwann einmal…

    Viele Grüße nun aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

  6. Martin

    Hi TmoWizard
    Ich würde mich da nicht so entmutigen lassen. Ich glaube schon daran, dass man etwas erreichen kann. Es ist immer erstrebenswert, eine Öffentlichkeit für ein Thema herzustellen.

  7. Martin

    Sprengsatz finde ich interessant, fliegt aber unter meinem Radar. Mir geht es nicht um ehemalige Politberater, sondern um die Generation Katzenblogger. Es kann doch nicht sein, dass bei Rivva jeden Tag Auto-Blogs und Tech-Blogs auflaufen, aber so gut wie nie ein politischer Text. Dabei glaube ich nicht, dass wir so unpolitisch sind, wie es häufig dargestellt wird.

  8. Sven

    Unter http://www.meinungsschauspieler.de entsteht gerade ein Gemeinschaftsblog zum Thema Politik. Und ja, es ist schwer dafür Autoren zu finden. Ich habe keine Ahnung warum, denn es hat ja fast jeder eine politische Meinung, wenn man auf Twitter und Facebook schaut. Nur anscheinend traut sich keiner, dazu dann auch etwas zu schreiben…

  9. Dennis Knake (@dknake)

    Wenns um Umweltbelange und deren politische Verstrickungen und Machenschaften an der Nordseeküste geht, empfehle ich Dir z.B. den http://www.wattenrat.de. Kommt halt immer drauf an, was Du suchst. Ein Nischenthema, was bundesweites? Politik ist vielschichtig und findet im Großen und Kleinen statt.

  10. owy

    Ist nicht jedes Blog, dass sich nicht ausschließlich um ein Hobby oder Katzen dreht, mehr oder weniger ein Politblog? Wenn ich mir die ganzen Place-Blogs in der Umgebung anschaue, tauchen da zwischen Lieblingsmusik und neuen Fotos beizeiten auch ganz schön politische Themen auf…

  11. TmoWizard

    Hallo @Martin!

    Ich würde mich da nicht so entmutigen lassen.

    Das passiert auch nicht, das kann ich meinen Lesern ja nicht antun! ;-)

    Ich glaube schon daran, dass man etwas erreichen kann.

    Ein bißchen ja, das steht fest. Aber ein Blog wie mein Castle hat eben nicht die Reichweite eines Verlages. Auch wenn meine Besucherzahl so langsam in die Richtung 1.000 pro Tag geht ist das nichts im Vergleich zu den politisch finanzierten Verlagen!

    Es ist immer erstrebenswert, eine Öffentlichkeit für ein Thema herzustellen.

    Stimmt, deswegen mache ich das ja auch! Mein Blog gehört zwar nicht zu den bekanntesten, aber ganz unbekannt bin ich scheinbar auch nicht. :-D

    Sprengsatz finde ich interessant, fliegt aber unter meinem Radar.

    Meinst du SPRENGSATZ aus Berlin? Ein interessantes Blog, dessen Feed ich schon länger abonniert habe. Ich bin zwar nicht immer deren Meinung, aber lesen schadet ja eigentlich nicht! ;-)

    Grüße aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    (mal sehen, ob man Bilder einfügen kann hier… den eigenen Smilie meine ich! Ist eigentlich eine WordPress-Funktion.)

    Mike, TmoWizard

  12. Yoyo

    > Vor allem, dass es auch ohne einen kolportieren sechststelligen Betrag geht.

    So viel wie heute abgemahnt wird, braucht man den vielleicht aber doch. Politik ist ein gefährliches Pflaster, denn einflussreiche Personen fühlen sich a) schnell auf den Schlips getreten und haben b) Verbindungen und das nötige Kleingeld um Prozesse zu führen oder sonstige existenzgefährdende Massnahmen anzustoßen.

    Im Übrigen kann man auch mal fragen, wo die ganzen politischen investigativ-journalistischen Beiträge in den etablierten Medien sind. Damit meine ich nicht die Feuilletonbeiträge, die Profilartikel, Wohlfühlinterviews oder die abgeschriebenen Tickermeldungen. Der Ruf nach den Bloggern in allen Ehren, aber zunächst sollte man mal die 4. staatliche Gewalt wieder ein bischen mehr fordern.

  13. Alex

    He Martin,

    unser Institut betreibt einen politikwissenschaftlichen Blog (http://www.demokratie-goettingen.de/verzeichnis/blog), wo politische Prozesse analysiert und natürlich auch kommentiert werden. Wie machen das gern, sehen aber auch eine gewisse Lethargie in der deutschen Blogosphäre. Ich würde behaupten, dass die politik- und sozialwissenschaftliche Blogosphäre langsam aber stetig wächst, während ich den Eindruck habe, das die politische Blogosphäre in Deutschland z.T. von den Blogarenen der Massenmedien bzw. den Kommentarthreads in Sozialen Netzwerk-Seiten aufgesogen wurden.

    Für die Analyse müsste man zunächst klären, was mit dem politischen Blogger überhaupt gemeint bzw. welche Rollen gewollt und möglich sind. Hier sehe ich eine gewisse Orientierungslosigkeit, die aus dem Widerspruch zwischen der klassischen, langsam erodierenden Rolle des Intellektuellen und der egalitäreren und diffusen Kultur des Netzes entsteht. Natürlich hängen beide Rollen stark von der medialen Umwelt ab, es stellt sich aber doch die Frage, wie die ja weiterhin existierenden Prinzipien der politischen Kultur mit denen des Netzes besser zusammengehen könnten, sonst gehts weiterhin viel um Katzen.

    Beste,
    alex

    PS: Vor einiger Zeit gab es eine gute Debatten dazu. Einstieg über einen Post bei uns: http://www.demokratie-goettingen.de/blog/intellektuelle-im-digitalen-zeitalter

  14. Marc

    Wo sind eigentlich die deutschen Politblogger?

    Im Netz, wo sonst? Man muss sie nur finden. Ein guter Einstieg wäre dieser hier:
    http://www.blogoscoop.net/rankings/2/0/0/1/1/100

    Als Journalist suchen sie wahrscheinlich die Köpfe von ein paar Alpha-Bloggern, die den anderen sagen, wo es lang zu gehen hat. Zum Glück ist dem nicht so. Dafür gibt es zu Themengebieten hervorragende Blogger:

    http://lostineu.eu/
    für Europa-Politik

    http://www.griechenland-blog.gr/
    für Nachrichten aus dem Katastrophengebiet

    http://uhupardo.wordpress.com/
    für Nachrichten aus dem zukünftigen Katastrophengebiet

  15. Skalg

    Das Problem mit den deutschen Politbloggern ist doch, dass sie entweder zu abgehoben und wissenschaftlich schreiben oder so stark polemisieren dass sie von niemandem mehr gelesen werden (siehe vor allem rechte spinner).

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