7 Lehren aus der rechten Facebook-Echokammer

Martin blog

Mein sehr geschätzter Kollege Simon Hurtz hat seit eineinhalb Jahren ein zweites Facebook-Profil: „Tim“ öffnete ihm die Tür zu einer Parallelwelt, die ihn zwischenzeitlich an seinen Überzeugungen zweifeln lässt.

Meine politischen Überzeugungen haben sich nicht geändert. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es unsere humanitäre und moralische Pflicht als Globalisierungsgewinner ist, Geflüchtete aufzunehmen, und dass „wir das schaffen“. Mittlerweile verstehe ich aber besser, warum das viele anders sehen – und warum diese Menschen ihre Ablehnung so lautstark kundtun.

Denn sie tauchen nicht nur für wenige Stunden in eine fremde Filterblase ein, ihr Nachrichtenstrom sieht immer so aus. Wer Facebook als repräsentativen Ausschnitt der Realität betrachtet, bekommt fast zwangsläufig Angst vor dieser Welt, die angeblich von kriminellen Migranten, korrupten Politikern und lügenden Journalisten wimmelt. Diese Facebook-Welt ist eine Dystopie.

All das ist keine Entschuldigung für Fremdenfeindlichkeit. Facebook verwandelt tolerante Bürger nicht in Rassisten. Mir hat mein Experiment aber gezeigt, wie erschreckend einfach es ist, sich eine Echokammer zusammenzuklicken, in der Hass entsteht. Hier entwickeln Menschen ein „Wir da unten gegen die da oben“-Gefühl – und ich kann nachvollziehen, woher ihre Wut kommt.Simon Hurtz

Der Artikel ist Teil der SZ-Serie „Der Facebook-Faktor“. Darin untersucht die Süddeutsche mit Blick auf die Bundestagswahl, wie im sozialen Netzwerk Politik gemacht wird. Sehr, sehr spannend und sehr lesenswert.