Warum die chinesische App WeChat auch „Dein Internet“ verändern wird

Martin blog 0 Comments

Für Hunderte Millionen Menschen weltweit ist Facebook das Tor zum Internet geworden. Tippten wir früher noch mehrheitlich sperrige Adressen in Browser-Zeilen ein oder ergoogelten uns die Welt, dominiert heute in der westlichen Welt Facebook als der Gatekeeper für Informationen und Unterhaltungen. Menschen erleben dadurch – freiwillig – das ehemals offene, freie Internet als ein Internet im Internet. Gestaltet nach den Spielregeln von Facebook.

Wer meint, Facebook sei nun bereits der absolute Endgegner des freien Internets, wird schnell eines besseren belehrt, wenn er den Blick nach China richtet. Dort dominiert eine App alles, was überhaupt auch nur im Ansatz mit dem Internet angestellt werden kann: Shopping, Dating, Überweisungen, Twitter, Facebook, YouTube, Uber, Tisch im Restaurant reservieren, Termine beim Arzt festmachen, Flüge buchen – die Palette an Anwendungsmöglichkeiten bei der chinesischen App WeChat ist schier grenzenlos. Einmal installiert und registriert, braucht man die App eigentlich nie wieder zu verlassen.

Genauso grenzenlos ist dabei die potentielle Überwachungsmöglichkeit, sind doch die chinesischen Behörden nicht gerade zimperlich, wenn es um die Zusammenführung und Überprüfung von Profilen und Internetnutzungsgewohnheiten geht. WeChat ist nach deutschen Standards so ziemlich der Albtraum eines jeden Datenschützers.

Und dennoch erfreut sich WeChat einer Popularität in China, die hier ihresgleichen sucht. Jeder China-Reisende wird die Erfahrung machen, dass ohne die App vor Ort überhaupt nichts funktioniert. WeChat hat es geschafft, zu einem unverzichtbaren Dienst- und Kommunikationsmittel der Chinesen zu werden.

Dass sich Facebook und Co ganz genau anschauen, welche Produkte WeChat anbietet, liegt in der Natur der Sache. Die Öffnung des Messengers für Drittanwendungen vor zwei Jahren war ein erster großer Schritt dahin, Facebook nicht nur als soziales Netzwerk zu begreifen, sondern als Betriebssystem für die Gesellschaft.

In einem klugen Video erzählt die New York Times, warum WeChat so spannend ist und wie WeChat auch „Dein Internet“ verändern könnte.


Update: Einen Tag nach der Veröffentlichung dieses Blogposts führt Facebook übrigens „Watch“ ein: „A Dedicated Home for Videos“. Damit greift Facebook nicht nur YouTube, Netflix und Co frontal an, sondern wird auch ein Stück weit mehr wie… WeChat. Ganz genau.