Der Kampf gegen Desinformationen bei WhatsApp

Martin

Was ist: Über 200 Millionen Nutzer verzeichnet WhatsApp in Indien. Der Messenger wird dort nicht nur privat genutzt, sondern ist auch für politische, religiöse, medizinische und juristische Kommunikation die Plattform der Wahl. Dazu kommen Tausende Falschnachrichten, die entweder politisch motiviert sind, oder im schlimmsten Fall aus schierer Boshaftigkeit lanciert werden und dazu führen, dass unschuldige Menschen von aufgebrachten Mobs gelyncht werden.

Warum ist das interessant? Die Fälle, in denen Menschen aufgrund von Falschnachrichten nicht nur drangsaliert, sondern gar ums Leben gebracht werden, häufen sich – allein deshalb sollte WhatsApp, respektive Facebook, daran ein genuines Interesse haben, Dinge zu ändern. Zusätzlich hat Facebook sich ja bereits spätestens seit der US-Wahl dem Kampf gegen „Fake News“ verschrieben und erreicht eigenen Aussagen zufolge auch mit Blick auf den hauseigenen News Feed zunehmend bessere Ergebnisse. Bei WhatsApp aber, dessen größtes Feature ja die Verschlüsselung der Nachrichten per default ist, ist es ungleich schwerer, der Verbreitung von Falschinformationen Herr zu werden.

Was könnte WhatsApp denn ändern? Es gibt keine einfachen Lösungen für dieses Problem. Um so bemerkenswerter sind die Vorschläge, die Nikhil Pahwa in seinem Artikel macht. Hier Pahwas Vorschläge im Überblick:

  1. Nutzer können wählen, ob ihre Nachrichten öffentlich oder privat sein sollen. Die Default-Einstellung sollte privat sein. So könnte es erschwert werden, bestimmte Nachrichten weiter zu verbreiten.
  2. Der ursprüngliche Absender der Nachricht sollte erlauben dürfen, ob eine Nachricht weitergeleitet werden darf. So würde sichergestellt, dass der ursprüngliche Absender wirklich ein Interesse daran hat, die Nachricht weiterverbreitet zu sehen.
  3. Wenn jemand eine Nachricht öffentlich macht, sollte diese Nachricht eine spezielle ID bekommen. Dadurch könnte die Nachricht, einmal im Umlauf, wieder auf den ursprünglichen Absender zurückverfolgt werden.
  4. Nutzer sollten befähigt werden, öffentliche Nachrichten als Desinformation zu markieren. In der Folge könnte sich ein Team von WhatsApp diesen Nachrichten annehmen.

Ok. Klingt ganz gut. Und was unternimmt WhatsApp bislang? WhatsApp zeigt sich auf verschiedenen Ebenen bemüht, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Der neueste Versuch besteht darin, Stipendien für Forscher aufzusetzen. Fair enough. Leider habe ich aber noch keine offiziellen Statements – vor allem auch hinsichtlich der Lynchmobs – von WhatsApp-Verantwortlichen gelesen. Falls ich da etwas übersehen habe, freue ich mich über Hinweise.

Wie werden denn bislang die Desinformationen gestoppt? Indien etwa bemüht sich mit Aufklärungskampagnen und versucht mit Journalisten für mehr „digital literacy“ zu sorgen. Auch versucht die Regierung, mittels Rechtsprechung Zeichen zu setzen. Es kommt aber auch vor, dass Indien das Internet einfach abschaltet: im Jahr 2017 passierte das 70 mal, in den ersten sechs Monaten im Jahr 2018 bereits 65 mal.

Tiefgang: Wer sich noch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte und wer verstehen möchte, welche Rolle WhatsApp in Südamerika, Afrika und Südostasien spielt, der sollte dieses Dosier von Tactical Tech lesen.

Dieser Artikel ist Teil des Social Media Watchblog Briefings, das ich jeden Dienstag und Donnerstag per Newsletter verschicke – wenn du magst, kannst du das Briefing hier abonnieren.

Der Wettbewerb um Mobile Video zwischen YouTube, Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Martin

Was ist: Wir erleben aktuell einen spannenden Wettbewerb zwischen Facebook, Snapchat, Twitter und YouTube in Sachen "Mobile Video".

Warum ist das interessant?

  • Zahlen aus dem Internet Trend Report unterstreichen, dass die Werbeindustrie natürlich dort ihr Geld am liebsten investiert, wo die Nutzer am meisten Zeit verbringen. In den letzten fünf Jahren haben wir deshalb in Sachen Werbebudgets vor allem einen massiven Shift hin zu Mobile erlebt. Nutznießer dieses Trends sind vor allem die Social-Media-Plattformen, die es nach wie vor schaffen, einen Großteil der Zeit, die Menschen auf die mobile Internetnutzung verwenden, auf sich zu lenken.
  • Der zweite wesentliche Trend ist der, dass mit regulären Anzeigen nicht mehr so viel wie noch vor einigen Jahren zu verdienen ist. Vielmehr richtet sich der Blick auf die Werbebudgets, die klassischerweise ins Fernsehen investiert werden. Da sich nun aber Kids und Millenials weniger stark für klassische Programme interessieren, sondern vermehrt Videos auf Plattformen konsumieren, ist ein enormer Wettbewerb um eben jene Werbegelder entbrannt.

Wer hat bislang die Nase vorn? Aktuell ist unter den Social-Media-Plattformen YouTube noch der Platzhirsch, wenn es um Werbung im Segment "Mobile Video" geht. Gleichwohl attackieren sowohl Snapchat als auch Twitter, Facebook und Instagram den Platzhirschen unentwegt und versuchen mit unterschiedlichen Strategien einerseits der Fernsehbranche, andererseits aber auch YouTube das Wasser abzugraben.

Der Erfolg von YouTube:

  • YouTube ist in Sachen "Mobile Video" die populärste App – sowohl bei den Nutzern als auch bei den Kreativen, was wiederum beides unmittelbar miteinander zusammenhängt und genau der Grund ist, warum YouTube so eine enorme Bedeutung im Bereich Mobile Video erlangt hat.
  • Kreative schätzen die Plattform für die Möglichkeiten, die eigenen Inhalte dort monetarisieren zu können. Zwar hat YouTube die Messlatte etwas höher gehängt, um auf der Plattform Geld verdienen zu können, aber letztlich sind die Optionen, die YouTube bietet, noch ohne Vergleich.
  • Auch schätzen Kreative, dass YouTube, als zweitgrößte Suchmaschine hinter Google, solide Optionen anbietet, überhaupt mit seinen Inhalten entdeckt werden zu können. Schon einmal bei Facebook etwas gesucht? Genau.
  • Zudem können Kreative durch die direkten Abo-Funktionen sehr gut Fan-Communities aufbauen – anders als etwa bei Facebook, wo man bekanntermaßen selbst dann, wenn man Fan wird, noch lange nicht alle Inhalte auch präsentiert bekommt.

Die Strategien der Social-Media-Plattformen:

  • Facebook versucht derzeit auf verschiedenen Wegen, Geld von YouTube, respektive den Fernsehsendern abzuziehen. Einerseits versuchen sie das Stories-Format auch auf Facebook populär zu machen. Der Grund: Bei Stories lässt sich prima Werbung zwischen den einzelnen Stories schalten. Zudem versucht Facebook mit Watch einen eigenen Hafen für Video-Inhalte auf Facebook zu bauen. Das Problem hierbei: die Videos, die für Watch produziert werden, kommen noch in erster Linie von traditionellen Medienunternehmen. Es sind aber eben gerade die Influencer, die im Bereich Mobile Video die nötige Anziehungskraft besitzen. Facebook Watch hingegen konkurriert gefühlt eher mit Netflix, Amazon Prime, Apple und Co…
  • Instagram hat jüngst IGTV angekündigt – eine speziell für Videos mit bis zu 60 Minuten Länge gebaute App, die sowohl als Standalone funktioniert, als auch via Instagram erreicht werden kann. Der Clou an der App besteht sicherlich darin, dass sie komplett auf die mobile Nutzung ausgerichtet ist – sprich die Videos im Hochformat sind. Auch versucht Instagram mit dieser App zunächst eher Content Creator abzuholen – Marques Brownlee etwa zeigt sich ganz angetan – und ist nicht so sehr in erster Linie darauf aus, traditionelle Medienunternehmen auf die Plattform zu holen oder deren Moderatoren, etc… Bislang ist noch nicht klar, welche Monetarisierungs-Optionen Instagram den Kreativen an die Hand geben wird. Wenn sie das jedoch hinkriegen, könnte IGTV zu einer echten Konkurrenz für YouTube werden.
  • Snapchat hingegen tut sich schwer mit Kreativen und setzt – so sieht es jedenfalls derzeit aus – eher auf reguläre Nutzer. Zwar wird auch hier im Bereich Discover oder eben innerhalb der einzelnen Stories bereits Video-Werbung geschaltet, aber die Anziehungskraft für Content Creator hält sich weiterhin in Grenzen, YouTube dominiert.
  • Twitter ist wieder einmal ein Sonderfall. Zwar hat es Twitter geschafft, einzelne News-Angebote und Live-Sport-Events auf die Plattform zu holen und tütet dadurch den einen oder anderen Video-Werbedeal ein, aber Kreative, die für YouTube so einen elementaren Einfluss auf den Erfolg der Plattform haben, nutzen Twitter lediglich zur Verbreitung ihrer Botschaften, nicht aber als Ort, um ihre Videos direkt erlebbar zu machen.

Be smart: Der Video-Boom scheint seit Jahren ungebrochen. Während Netflix, Amazon und andere Streaming-Dienste Milliarden für originären Content ausgeben (siehe hierzu: Netflix-onomics), traditionelle Medienunternehmen sich mit Mobilfunkunternehmen zusammentun, um High Quality Serien und Shows als Bonus für Subscriptions anbieten zu können, hängt der Erfolg von "Mobile Video" bei den Social-Media-Plattformen vor allem davon ab, wo die Kreativen ihre Inhalte präsentieren. Aktuell sieht es so aus, als würde sich an dieser Stelle ein Zweikampf zwischen YouTube und Instagram entwickeln – für viel mehr Anbieter wird dann aber auch schon kein Platz mehr sein. Schauen wir mal, was bei Insta in den kommenden Monaten passiert. Ansonsten sieht es so aus, als würde YouTube an dieser Stelle weiter das Rennen machen.

Studie zur Ökobilanz von Fleisch, Eiern, Milch und pflanzlicher Ernährung

Martin

Joseph Poore (Uni Oxford) und Thomas Nemecek (Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung) haben analysiert, wie groß der Einfluss menschlicher Ernährung auf die Umwelt ist. Das Ergebnis: Würden alle Menschen sich fortan vegan ernähren, könnte ein Großteil der Treibhausgase eingespart werden. Der Standard schreibt:

Die Ökobilanz zeigt, dass Fleisch und Milchprodukte zwar nur 18 Prozent der Kalorienmenge umfassen und 37 Prozent des Eiweißkonsums decken. Doch ihre Herstellung benötigt 83 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen und erzeugt 60 Prozent der Treibhausgase.

Die folgende Grafik zeigt, wie groß die Unterschiede bei der Herstellung von 100 Gramm Protein sind. Eigentlich unglaublich, dass wir Menschen so viel Fleisch fressen mit Blick auf die Konsequenzen, die sich daraus ergeben für die Umwelt und das Tierwohl*.

Briefing für den 22.6.2018 | Ausgabe #464

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 464. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Eigentlich dachte ich, dass ich die Entscheidung noch mit in den Sommer nehme, aber leichter würde sie mir dann wohl auch nicht fallen – will heißen: ich habe mich nun doch bereits dafür entschieden, das Social Media Watchblog Briefing künftig nur noch für zahlende Leser anzubieten. In meinem Post bei Medium erkläre ich, wie das genau funktionieren soll und welche Abo-Optionen es gibt. Herzlichen Dank für das Interesse und die Wertschätzung unserer Arbeit – wäre absolut fantastisch, wenn das mit einem Abo klappt! Merci, Martin


IGTV – kannst du mal Instagram einschalten?

Was ist: Instagram hat eine eigene Standalone-App angekündigt, die als ernstzunehmende Konkurrenz für YouTube gelten darf – Instagram TV (IGTV) heißt die APP, die in den kommenden Wochen für iOS und Android erhältlich sein wird. Strategisch klug: IGTV wird natürlich auch über die reguläre Instagram-App zu erreichen sein.

Warum ist das interessant? Mit Blick auf die Möglichkeiten für Facebook Inc weiter großes Geld zu verdienen, führt kein Weg am Thema Video vorbei. Nun ist der Transfer von TV-Geldern ins Internet (respektive zu den Plattformen) das mittelfristige Ziel. Bis dahin gilt es für Facebook, Instagram und Co zunächst einmal ein Stückchen vom leckeren YouTube-Kuchen abzugreifen. Genau das versucht Instagram nun mit IGTV.

Hat IGTV Aussicht auf Erfolg?

  • Bei Instagram tummeln sich eine Milliarde Nutzer. Für Content Creator, die zuvor auf YouTube gesetzt haben, könnte es also durchaus interessant sein, jetzt auch für Instagram Videos zu produzieren. Aus Marketing-Gründen sind sie ja eh schon dort und produzieren fleißig Stories. Warum ich darauf abhebe? Nun: Content Creator sind bei YouTube die treibende Kraft, bzw. der Grund, warum die Plattform bei Kids so beliebt ist – immerhin in den USA die wichtigste App in der jungen Zielgruppe.
  • Zudem ist die Suchfunktion bei Instagram sehr viel besser als bei Snapchat oder Facebook – insbesondere über die Hashtag- und Explore-Funktion lassen sich neue Inhalte entdecken. Somit dürfte es sowohl für Zuschauer als auch für Creators interessant sein, die App zu nutzen.
  • Auch widmet sich Instagram von der Konzeption der App komplett der mobilen Nutzungserfahrung – oder anders ausgedrückt: natürlich sind die Videos, die dort laufen, alle vertikal. Und wie wir im letzten Briefing gelernt haben, ist Mobile der Gewinner schlechthin, wenn es um die Frage geht, womit wir unsere Zeit verbringen.
  • Apropos Zeit: Bei IGTV wird es Videos von einer Gesamtlänge mit bis zu 60 Minuten geben. Das wäre dann wirklich sehr viel Zeit, die aufgebracht werden könnte, um am Stück auf sein Smartphone zu schauen. Nun denn.

Müssen jetzt alle bei IGTV mitmachen? Nun, mein Bauchgefühl sagt mir, dass IGTV tatsächlich das Zeug hat, wahnsinnig populär zu werden. Wenn sie es schaffen, das Thema Monetarisierung ähnlich vielversprechend hinzubekommen, wie es YouTube für Content Creators leistet, dann könnte IGTV im gesamten Facebook-Kosmos sicher einer der hellsten Sterne werden. Sieht auf jeden Fall tatsächlich sehr fresh aus, die App. Und ich lobe ja nun wahrlich nicht jeden Tag das, was aus dem Valley kommt.


Geld verdienen mit Facebook-Gruppen

Was geht? Facebook startet einen Test, um herauszufinden, wie kostenpflichtige Facebook-Gruppen angenommen werden.

Warum ist das interessant? Facebook-Gruppen sind ja laut Facebook der neue heiße Shice. (Entschuldigt meinen ketzerischen Unterton, aber Facebook wird jetzt tatsächlich bereits seit zwei Jahren nicht müde, uns das einzureden. Anyway.) Da sich für einige die Betreuung von Facebook-Gruppen zu einer echten Lebensaufgabe entwickelt hat, testet Facebook nun Bezahl-Optionen.

Wie soll das funktionieren? Admins können Nutzern Zugang zu exklusiven Gruppen von 5 bis 30 Dollar anbieten. Zunächst startet der Testlauf mit Koch-, Erziehungs- und Home Cleaning-Gruppen. Warum auch immer man dafür Geld ausgeben würde. Also für das letzte Beispiel.

Be smart: Facebook hat bislang nicht viele Versuche unternommen, Nutzer am Umsatz, der auf der Plattform generiert wird, zu beteiligen. Jetzt sieht es ganz so aus, als würde Facebook da eine neue Richtung einschlagen: erst die Option für Fans von Video-Creators, ihre Stars mit 5 Dollar im Monat zu unterstützen, jetzt die Option, für exklusive Gruppen Geld zu verlangen. Das sind durchaus spannende Testläufe, die zu einem anderen Verhältnis zwischen Nutzern und Facebook selbst führen könnten. Dann hätte Facebook womöglich wirklich irgendwann einmal die Bezeichnung Plattform verdient.


Lesetipps fürs Wochenende

Kritische Auseinandersetzung: Mary Meekers Präsentation des alljährlichen Internet Trend Reports ist ja nun schon einige Wochen alt. Verlinkt hatten wir den Report hier nicht. Wird hiermit nachgeholt. Allerdings nicht ohne den Verweis auf diese kritische Einschätzung zu Meekers Report, schließlich sind die 294 Slides, die sie präsentiert, vor allem eins: Balsam für die geschundenen Seelen der Top-Manager aus dem Silicon Valley.

The Facebook-Nevers: Der Skandal rund um Cambridge Analytica zeigt einmal mehr, dass eigentlich passieren kann, was will, Nutzer bleiben Facebook treu – ein nennenswerter Exodus ist nicht zu verzeichnen und somit für Facebook auch keine Gefahr. Sehr wohl aber sind all jene Nutzer, die sich bislang noch nicht für Facebook registriert haben, für Facebook ein Problem: nämlich die junge Generation. The „Facebook Nevers“ (500ish Words)

Why dont you like us: In einer ziemlich amüsanten Kolumne beschreibt Henry Grabar für Slate, wie sehr Facebook sich darum bemüht, Nutzer, die sich länger nicht eingeloggt haben, wieder auf die Plattform zu locken. Die per Email eintrudelnden Hinweise könnten kaum besser die Irrelevanz von Facebook aufzeigen. Why dont you like us. (Slate)

Twitters Wiedergeburt: Auf wundersame Weise hat es Twitter in den letzten Monaten geschafft, das Ruder rumzureißen und von einem echten Sorgenkind zu einer ambitionierten App zu mutieren. Zwar haben sie ihre Hater und Trolle noch längst nicht im Griff, aber dafür viele andere Dinge, die ihnen zuvor schlaflose Nächte bereitet haben dürften. BuzzFeed hat die ganze Geschichte: How Twitter Made The Tech Worlds Most Unlikely Comeback.


One More Thing

14 Gewohnheiten von Leuten, die echt mies drauf sind: Diesen wunderbaren Artikel habe ich im ebenfalls wunderbaren Newsletter von Martin Weigert gefunden. Selten so gelacht. Im Ernst. Ihr kennt ja sicherlich alle diese tollen Artikel, die einem immer aufzeigen, was erfolgreiche Menschen für Morgenroutinen haben, etc. Einfach nachahmen und dem Erfolg steht nichts im Wege – so die Erzählung. In diesem Artikel von Alternet aber wird die Geschichte einmal anders herum erzählt – wirklich sehr eindrücklich: Here Are the 14 Habits of Highly Miserable People.

Briefing für den 20.6.2018 | Ausgabe #463

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 463. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Letzte Woche hatte ich dich dazu eingeladen, an einer Umfrage zur weiteren Entwicklung dieses Newsletters teilzunehmen. Heute möchte ich einige Ergebnisse präsentieren und dich natürlich in Sachen Social auf den neuesten Stand bringen! Herzlichen Dank für das Interesse, Martin & Team



Zur weiteren Entwicklung des Social Media Watchblogs

Was ist: Ich hatte letzte Woche darum gebeten, an einer Umfrage zur weiteren Entwicklung des Social Media Briefings teilzunehmen.

Warum diese Umfrage? Ich wollte gern herausfinden, wer meinen Newsletter mit welcher Erwartungshaltung liest. Hintergrund ist, dass das Briefing in seiner jetzigen Form sehr viel Zeit und Energie kostet und sich der ROI in Grenzen hält.

Das sind die Ergebnisse:

  • Für die absolute Mehrheit der Leser sind meine Einschätzungen der primäre Grund, warum sie das Briefing lesen.
  • Allerdings wäre das Briefing ohne aktuelle News nun auch nix.
  • Zu meiner großen Überraschung reicht es der absoluten Mehrheit der Nutzer, wenn das Briefing nur ein- bis zweimal die Woche erscheint.
  • Drei bis fünf Euro pro Monat werden als einen angemessenen Preis für das Briefing erachtet.
  • Mehr als Zweidrittel bevorzugen eine monatliche Abrechnung.
  • Paypal ist für die Mehrheit die beste Zahlungsoption.
  • Etwa die Hälfte gibt zu Protokoll, dass sie generell bereit wären, für das Briefing zu zahlen.

Was folgt nun daraus? Prinzipiell bin ich natürlich erst einmal total begeistert, dass so viele Leser meine Einschätzungen so wertschätzen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass mein Briefing für meine Leser nur dann gut funktioniert, wenn ich auch eine Einschätzung liefern kann. Mit Blick auf die Vielzahl an Themen, die täglich in Sachen Social diskutiert werden, hilft es da natürlich enorm, dass eine große Mehrheit der Leser dafür votiert, dass das Briefing nur ein- bis zweimal die Woche erscheint. Ich hatte stets angenommen, dass das viel zu wenig wäre. Scheint nicht so zu sein und lässt mich mit Blick auf die Erscheinungsmodalitäten umdenken. Auch sehe ich durchaus die Chance gegeben, dass ich auf eine Paywall umschwenke – drei bis fünf Euro pro Monat scheint für viele ok zu sein – solange das Briefing denn auch wirklich regelmäßig erscheint.

Die nächsten Wochen: Ich mache mir jetzt einmal Gedanken, wie ich das Briefing mit Blick auf die Ergebnisse der Umfrage für die Zeit nach dem Sommer umstrukturiere. Bis dahin bleibt alles wie gehabt – außer dass ich vielleicht nicht einen so großen Druck verspüre, mindestens drei Briefings die Woche zu verfassen.


Spannende Recherche

Was ist: Die Kollegen Biselli und Meineck von Vice Deutschland haben für Motherboard die Social-Media-Kampagnen der Bundesregierung ausgewertet. Zugrunde liegt eine vollständige Übersicht, wie viel Geld deutsche Behörden und Ministerien in den vergangenen Jahren für Social Media-Werbung und Influencer-Kampagnen ausgegeben haben.

Was sind die Ergebnisse?

  • Es gibt einen sprunghafter Anstieg der Ausgaben für Sponsored Posts & Ads ab 2016.
  • Die zwei teuersten Influencer-Kampagnen mit YouTube- und Instagram-Stars waren: Eine Kampagne des Entwicklungsministeriums für faire Mode (84.600 Euro) und Nachwuchswerbung der Bundespolizei 2016 und 2017 (71.400 Euro)
  • Viele vom Staat in Auftrag gegebene YouTube-Videos und Instagram-Posts, die auf den Kanälen der Influencer veröffentlicht wurden, sind nicht so gekennzeichnet, dass die staatliche Finanzierung ersichtlich wird. Mindestens 26 solcher Fälle haben die Vice-Kollegen ausfindig machen können.

Darf der Staat dafür überhaupt Geld ausgeben? Ein Mitglied der Direktorkonferenz der Landesmedienanstalten erklärt auf Anfrage von Motherboard, dass eine Prüfung von staatlichen Influencer-Kampagnen notwendig ist. Es gibt derzeit eine unklare Rechtslage zur Frage, ob staatliche Influencer-Kampagnen auf den Kanälen der Influencer überhaupt zulässig sind.


18 Arten, wie Facebook dich trackt

Was ist: „My Team will follow up with you“ war eine der Standard-Antworten, die Mark Zuckerberg bei der Anhörung vor dem US-Kongress gab, wenn er sich nicht auf juristisches Glatteis bewegen wollte. Nun hat Facebook aber tatsächlich seine Hausaufgaben gemacht und einen umfangreichen Katalog mit den noch ausstehenden Antworten eingereicht.

Warum ist das interessant? Aus dem Dokument wird an verschiedenen Stellen noch einmal deutlich, wie krass Facebook seine Nutzer trackt. BuzzFeed hat daraus eine Übersicht gestrickt, die ich hier schamlos in vollem Umfang zitiere:

  1. information from „computers, phones, connected TVs, and other web-connected devices,“ as well as your „internet service provider or mobile operator“
  2. „mouse movements“ on your computer
  3. „app and file names“ (and the types of files) on your devices
  4. whether the browser window with Facebook open is „foregrounded or backgrounded,“ and time, frequency, and duration of activities
  5. information about „nearby Wi-Fi access points, beacons, and cell towers“ and „signal strength“ to triangulate your location („Connection information like your IP address or Wi-Fi connection and specific location information like your device’s GPS signal help us understand where you are,“ said a Facebook spokesperson.)
  6. information „about other devices that are nearby or on their network“
  7. „battery level“
  8. „available storage space“
  9. installed „plugins“
  10. „connection speed“
  11. „purchases [users] make“ on off-Facebook websites
  12. contact information „such as an address book“ and, for Android users, „call log or SMS log history“ if synced, for finding „people they may know“ (Here’s how to turn off contact uploading or delete contacts you’ve uploaded.)
  13. information „about how users use features like our camera“ (The Facebook spokesperson explained, „In order to provide features like camera effects, we receive what you see through camera, send to our server, and generate a mask/filter.“)
  14. „location of a photo or the date a file was created“ through the file’s metadata
  15. information through your device’s settings, such as „GPS location, camera, or photos“
  16. information about your „online and offline actions“ and purchases from third-party data providers
  17. „device IDs, and other identifiers, such as from games, apps or accounts users use“
  18. „when others share or comment on a photo of them, send a message to them, or upload, sync or import their contact information“

Be smart: Das ist längst nicht alles.


Neues von den Plattformen

Facebook

  • Brand Collabs Manager: Wie bereits vor einigen Wochen angedeutet, startet Facebook nun tatsächlich eine Suchmaschine, die zum Ziel hat, Werbetreibende mit Influencern zu matchen. Heißt konkret: Wenn eine Firma gern mit einem Influencer (auf Facebook / Instagram) zusammenarbeiten möchte, kann sie nun über diese Suchmaschine den passenden Partner finden. (Mir läuft es dabei ja kalt den Rücken runter, habe ich doch eine Aversion gegen diese Form der Fleischgewordenen Werbetafeln, aber das sind nur meine 2 Cent.)
  • Facebook kopiert HQ trivia: War ja irgendwie absehbar. Facebook hat seine eigene Variante von der super populären App HQ Trivia gelauncht. Auf die Frage, ob Facebook von der Gameshow-App inspiriert gewesen wäre, heißt es lapidar: Interaktive Videos sind ein grundsätzlicher Trend, der auch von Facebook bedient werden möchte. Eine einzelne App da zu nennen, wäre nicht angebracht. Ja, nee, ist klar. Die Geschichte erinnert irgendwie an das Stories-Format von Snapchat, oder? Wenn das einen ähnlichen Verlauf nimmt, dann bin ich mal nicht all zu optimistisch, was HQ Trivia angeht. Matthäus lässt grüßen.
  • Facebook öffnet Watch: Um YouTube weiter das Wasser abzugraben, öffnet Facebook nun sein Watch-Programm für Webstars. Bislang hatten die YouTuber zwar durchaus Interesse gezeigt, ebenfalls bei Facebook eine Community zu bespielen, letztlich hatte das aber noch nicht wirklich Sinn ergeben, da die Monetarisierungsoptionen bei Facebook im Vergleich zu YouTube ziemlich dürftig waren. Das soll sich nun ändern.
  • Autoplay jetzt auch im Messenger: Ist das nicht schön? Es gibt jetzt bald auch Autoplay-Video-Werbung im Facebook Messenger. Hach. So ein lustiges Werbevideo neben meinen Chats, das hat doch was. Naja, immerhin ist es nur der Messenger. Bei WhatsApp werden sie sich das ja wohl nicht trauen. Oder doch?

YouTube

  • YouTube Music / Prime: YouTube startet seinen lange antizipierten Musik-Streaming-Service, der vor allem Spotify Konkurrenz machen soll. Für 10 Euro im Monat bekommen Nutzer alle Musik-Angebote von YouTube, Playlists und Offline-Funktionalitäten. Wer noch zwei Euro drauflegt, bekommt Premium-Zugang und kann generell auf YouTube Videos komplett werbefrei anschauen. Auch kann man als Premium-Kunde auf YouTube-Eigenproduktionen zugreifen.

One more thing

Das Geld wird dort investiert, wo die Leute ihre Zeit verbringen – aus den hier zu einem GIF vermengten Grafiken von Mary Meekers Internet Trends Report lässt sich wirklich ein bemerkenswerter Shift von Print zu Mobile ausmachen. Sehr, sehr eindrücklich.

The Future of News

Martin

Kollege Baekdal über aktuelle PEW-Zahlen zur Zirkulation von Zeitungen und zur Frage, was die seit Jahren sinkenden Auflagen für die Zukunft des Journalismus bedeuten:

So, what does this all mean for the future? Well, there are three things that are happening in terms of future trends.

  • The first thing is that this will likely cause even more atomization of future news media, where a larger and larger part of the paid-for media landscape is likely going to much smaller and more specific niche verticals. Instead of people paying for a mass-market generalized newspaper, we are likely to see people spending money on much smaller channels that are tailored towards specific interests or needs. This model, however, doesn’t work for generalized news. So that’s a problem.
  • Secondly, we are seeing an interesting trend in terms of curation, where people are seperating how they consume news depending on how personally relevant it is. Instead of getting a lot of stories about daily news topics, we see more and more who are redefining news as very efficient short-form moments. If this pattern takes hold, today’s economic model of news production will be seriously disrupted. Think about how a news site like Axios is covering stories compared to how they are doing it at The New York Times.
  • Finally, a big unanswered problem for the future is the trend that we are losing a ‚common frame of reference‘. This was what the newspapers of the past gave us. They provided people with a general common frame of reference, so whenever a topic arose people would have a shared understanding of it.

Quelle: Baekdal