Briefing für den 16.3.2018 | Ausgabe #440

Martin

Salut, die dritte Ausgabe dieser Woche beschäftigt sich u.a. mit einer ungewöhnlich skeptischen Reaktion auf Facebooks Vorschlag, künftig Nachrichten bei Facebook Watch zu integrieren. Lessons learned? Sieht ganz so aus. Zudem gibt es zwei wirklich klasse Leseempfehlungen fürs Wochenende und als Bonus ein starkes Video von John Oliver zum Thema Blockchain. Ich wünsche eine gute Lektüre und bedanke mich für das Interesse, Martin & Team


SKEPSIS GEGENÜBER FACEBOOK

Was ist: Publisher1 zeigen sich skeptisch ob des Vorhabens seitens Facebook, Nachrichten bei Facebook Watch integrieren zu wollen.

Warum ist das interessant? Grundsätzlich sind Publisher trotz des angekündigten News-Feed-Umbaus weiter daran interessiert, Facebook als Kanal zu nutzen, um neue Leserinnen zu erreichen. Gleichwohl hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele Produkte von Facebook (Instant Articles, Facebook Live, etc.) für Publisher nicht so richtig funktionieren – und vor allem zu keinen substantiellen Erlösen oder neuen Abonnenten geführt haben. Von daher ist es spannend zu sehen, wie sie sich nun gegenüber des neuen Vorhabens verhalten.

Der beste Ratschlag kommt an dieser Stelle von Kollege Thomas Baekdal aus Dänemark:

Look Facebook. For the past 7 years we have spent our money and resources trying to make Facebook work, and every time it has failed once you started scaling it. This time we are not going to play with you. We are going to spend our time experimenting with something different, and, once you have proven that Facebook Watch actually works and that you can give us real metrics and revenue figures, then we can talk

Und der hat recht… Die Nutzer zeigen sich bislang noch nicht begeistert von Facebook Watch. Es ist aber auch kurios: Facebook hat den Usern jahrelang beigebracht, dass sie sämtliche Inhalte im News Feed serviert bekommen. Nun möchte Facebook, dass Nutzer direkt zu Watch gehen, um dort Inhalte zu konsumieren. Und genau diesen Transfer kriegen sie einfach nicht hin. Der Grund: Facebook wird von den Nutzern bislang nicht als Video-Plattform wahrgenommen.

Die Konkurrenz schläft nicht: Netflix arbeitet Berichten zufolgen übrigens auch an eigenen News-Formaten – etwa an einer Sendung mit Barack Obama. Chancen, dass Menschen das sehen wollen? Hell yes.


GOOGLES SCHÜTZENHILFE

Was ist: Google wird künftig bei Suchanfragen jene Treffer bevorzugen, die von einer Website stammen, von der der Nutzer bereits zahlender Abonnent ist.

Warum ist das interessant? Google leistet damit Publishern Schützenhilfe, sorgen sie doch dadurch dafür, dass zahlende Kunden häufiger etwas für ihr Geld bekommen.

Warum das denn? Nun, für die absolute Mehrheit der Internetnutzer dürfte es sehr viel stärker der eingeübten Praxis entsprechen, sich zunächst via Google einem Thema zu nähern, also über die Suchmaske der Website, bei der man zahlender Kunde ist. Ich meine: Wer macht das denn? Genau.

Zusätzlich will Google Publisher noch mehr Daten über potentiell neue Abonnenten liefern, damit diese gezielter angesprochen werden können.

Bigger picture: Diese Vorhaben sollen in der kommenden Woche offiziell kommuniziert werden und dürfen als weiterer Teil des Annäherungsprozesses zwischen Verlagen und TV-Sendern auf der einen und Tech-Konzernen auf der anderen Seite gesehen werden. Eine solche Annäherung ist auch bitter nötig. Kleiner Reminder:


FEATURES, TOOLS & APPS

Twitter will mehr Breaking News: Twitter sieht allem Anschein nach in Facebooks partiellem Rückzug vom News-Business große Chancen für das eigene Unternehmen. So testet Twitter in der App neue Wege, um Nutzern bei Breaking News einen schnellen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen (read: Tweets) zu bieten. Twitter Is Experimenting With A Way To Show You Even More Breaking News Tweets.

Emoji-App für Mac: Für alle Emoji-Fans und Mac-Nutzer gibt es jetzt ein kleines Tool, das das Einfügen von Emojis beim Tippen kinderleicht macht. In etwa so, wie man es von Slack kennt. Here you go: Rocket – The Best Emoji App For Mac


LESETIPPS FÜRS WOCHENENDE

Wie sich Reddit bemüht, das Internet zu entgiften: Reddit ist für die allermeisten Medienmacher, die ich persönlich kenne, nach wie vor eine Terra incognita – zwar namentlich bekannt, aber selbst war man noch nie dort. Eigentlich ist das ziemlich erstaunlich, schließlich belegt Reddit in den USA Platz 4 der am meisten besuchten Websites – und in Deutschland immerhin Platz 14. Zum Vergleich: Spiegel Online befindet sich nur auf Platz 22. Anyway. Reddit ist jedenfalls eine Annäherung wert. Dieser Text eignet sich dafür hervorragend: Reddit and the Struggle to Detoxify the Internet. Über Meinungsfreiheit und Social-Media-Plattformen lernt man obendrein auch noch eine ganze Menge. Großartige Lektüre:

I understood why other companies had been reluctant to let me see something like this. Never again would I be able to read a lofty phrase about a social-media company’s shift in policy—“open and connected,” or “encouraging meaningful interactions”—without imagining a group of people sitting around a conference room, eating free snacks and making fallible decisions. Social networks, no matter how big they get or how familiar they seem, are not ineluctable forces but experimental technologies built by human beings. We can tell ourselves that these human beings aren’t gatekeepers, or that they have cleansed themselves of all bias and emotion, but this would have no relation to reality.

Mythos Filterblase: Der sehr geschätzte Kollege Sebastian Meineck hat sich für VICE mit dem Mythos Filterblase auseinandergesetzt und stellt fest: Filterblasen sind vor allem ein mediales Konstrukt, das genutzt wird, um Tech-Unternehmen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Deshalb ist „Filterblase“ auch die blödeste Metapher des Internets.


ONE MORE THING

Cryptocurrencies: Der großartige John Oliver erklärt in unnachahmlicherweise, wie Cryptocurrencies funktionieren. Wer sich noch immer damit schwer tut, in das ganze Themenfeld einen Einstieg zu finden, der dürfte an diesem Video Gefallen finden.


  1. Mit „Publisher“ meine ich alle Medienunternehmen, die auf Facebook publizistisch tätig sind – egal ob klassischer Verlag, TV-Sender oder Digital-Only-Unternehmung.