Briefing für den 8.2.2108 | Ausgabe #428

Martin

Salut und herzlich Willkommen bei deinem Lieblings-Independent-Startup :) Ich wünsche eine gute Lektüre und verspreche, mich darin zu üben, die Briefings künftig wieder etwas kürzer zu halten. Einen angenehmen Donnerstag, Martin & Team


BLOCKCHAIN & SOCIAL MEDIA

Was ist: In Briefing #427 haben wir darauf hingewiesen, dass eine Gruppe um den Internetaktivisten Jaron Lanier auf der Idee rumkaut, Nutzer stärker an der Wertschöpfungskette in der digitalen Welt zu beteiligen – etwa indem sie dafür bezahlt werden, dass sie Datenspuren hinterlassen.

Keine Science Fiction: Auf Blockchain-Technologie beruhende Social Media Apps wie Steemit leisten genau das. Wer eine solche Plattform nutzt, kann für das Posten oder Kuratieren von Inhalten bezahlt werden.

Einige Beispiele von auf Blockchain beruhenden Social Media Apps:

  • Busy – eine Art Facebook
  • DTube – eine Art YouTube
  • DLive – eine Art Twitch
  • Steepshot – eine Art Instagram
  • Zappl – eine Art Twitter

(Danke an Uli Bunsmann von der Neuen Osnabrücker Zeitung für die Tipps per Email!)

Was ist das besondere an diesen Netzwerken?

  • Zunächst einmal sind die Netzwerke dezentral organisiert. Das bedeutet, dass eine Zensur von Inhalten wohl so gut wie unmöglich ist.
  • Auch ist dadurch eine ganz andere Form der Privatsphäre möglich – niemand liest deine Inhalte oder trackt dich auf der Plattform.
  • Auch können Nutzer an der Wertschöpfungskette direkt beteiligt werden. Wer etwas postet, kann dafür in einer Cryptowährung entlohnt werden, die dann in eine traditionelle Währung umgewandelt wird.

Blockchain is here to stay – da sind sich die Beobachter einig. Die Technologie kann einerseits für Geldgeschäfte eingesetzt werden – siehe Bitcoin-Hype. Andererseits kann die Technologie aber auch gerade hinsichtlich der allgemeinen Informationsverteilung eine riesige Rolle spielen. Das wissen auch die Giganten aus dem Valley – siehe Mark Zuckerbergs Blogpost zu Beginn des Jahres:

There are important counter-trends to this –like encryption and cryptocurrency — that take power from centralized systems and put it back into people’s hands. But they come with the risk of being harder to control. I’m interested to go deeper and study the positive and negative aspects of these technologies, and how best to use them in our services.

Drei Ideen wie Facebook die Blockchain-Technologie einsetzen könnte:

  • Facebook könnte die Technologie nutzen, um Nutzern Finanztransaktionen zu ermöglichen. Facebook ist bereits neben Google das Netzwerk schlechthin, wenn es darum geht, sich online zu identifizieren. Bei Finanzgeschäften allerdings spielt Facebook hingegen noch keine Rolle. Das könnte sich ändern.
  • Facebook könnte Blockchains verwenden, um Nutzer für ihre Inhalte zu bezahlen. Das soziale Netzwerk Steemit zeigt, wie das funktionieren könnte.
  • Facebook könnte die Technologie nutzen, um mehr Vertrauen auf der Plattform herzustellen – schließlich gehören „trust“ und misinformation“ zu den größten von Zuckerberg und Co identifizierten Baustellen.

Be smart: Facebook hat das nötige Kapital, um sich in den Blockchain-Hype einzukaufen. Facebooks Geschichte zeigt, dass sie nicht um große Transaktionen verlegen sind – folglich werden ab jetzt Wetten (natürlich nur in Bitcoin) angenommen, welches Unternehmen FB aus dem Bereich Blockchain übernimmt.

Lese-Empfehlungen zum Thema


SNAPCHAT BESSER ALS ERWARTET

Was ist: Snapchat hat überraschend gute Zahlen fürs vierte Quartal 2017 vorgelegt. Um damit aber auch nur im Ansatz Facebook gefährlich zu werden, reicht es noch lange nicht. Der Überblick:

Umsatz:

  • Snap hat im vierten Quartal 285,7 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaftet.
  • Analysten hatten nur mit 253 Millionen Dollar Umsatz gerechnet.
  • Von daher: Gut!
  • Aber: Facebook hatte im gleichen Zeitraum 12,97 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet.

Täglich aktive Nutzer:

  • Snap hat im vierten Quartal 8,9 Millionen neue tägliche Nutzer gewinnen können.
  • Analysten hatten nur mit 6 Millionen neuen Nutzern gerechnet.
  • Insgesamt verbucht Snapchat damit 187 Millionen täglich aktive Nutzer.
  • Zum Vergleich: Facebook verzeichnet 1,4 Milliarden täglich aktive Nutzer.
  • Allerdings: Während Facebook im wichtigsten Markt (Nordamerika) Nutzer verliert, kann Snapchat sich hier um 5 Prozentpunkte verbessern.

Umsatz pro Nutzer

  • Snap macht pro täglich aktivem Nutzer 1,53 Dollar Umsatz.
  • Facebook hingegen macht pro täglich aktivem Nutzer mehr als 9 Dollar Umsatz.

Verlust vs. Profit

  • Snap hat im vierten Quartal 350 Millionen Dollar Verlust verbucht.
  • Facebook hat im vierten Quartal 3,57 Milliarden Dollar Profit eingefahren.

Warum ist das überhaupt interessant?

  • Snap Inc ist neben Twitter der einzige wirkliche Herausforderer von Facebook in Sachen Social Media.
  • Snapchat steht durch das gnadenlose Abkupfern von Features durch Facebook (etwa die Stories-Funktion) enorm unter Druck.
  • Während Facebook Geld ohne Ende verdient, erwirtschaften weder Snapchat noch Twitter Gewinne. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Be smart: Um die horrenden Kosten (etwa fürs Hosting) decken zu können, bedarf es neuer Nutzer und der Erschließung neuer Märkte. Snapchat kann auf Dauer also nur bestehen, wenn es Features aufweist, die andere Apps nicht bieten oder aber weil es Zielgruppen bedient, die von Facebook nichts wissen wollen, respektive die Facebook nicht erreicht.

Die Bedeutung für Publisher: Snapchat dürfte zwar als Messenger für die private Kommunikation weiter interessant bleiben, ggf. auch für Influencer-Marketing, aber für reguläre Publisher dürfte Snapchat keine große Rolle spielen 2018 – zu sehr dürfte Snapchats Fokus darauf liegen, vor allem bei regulären Nutzern ordentlich zu wachsen.


VIDEO BOOM

Was ist: NBC geht in Sachen Social Media all in, was die Berichterstattung von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang angeht.

Insbesondere Video spielt dabei eine enorme Rolle. NBC wird auf allen zur Verfügung stehenden Plattformen Video-Inhalte teilen und live streamen – sowohl auf Facebook, als auch auf Twitter und vor allem Snapchat.

Partnerschaft von NBC & Snapchat: Über eine neue App wird es NBC möglich sein, Live-Übertragungen direkt auf Snapchat stattfinden zu lassen.

Be smart: Es geht dabei wohl weniger um den olympischen Geist als um das große Geld. NBC hat Milliarden für die Übertragungsrechte ausgegeben und möchte nun über das Ausspielen von Inhalten in den sozialen Netzwerke die Summe an entsprechenden Werbeeinnahmen ein klein wenig vergrößern.

Wer es genauer wissen will: WIRED – Inside NBC`s Social Media Strategy for the 2018 Winter Games


ZUR KENNTNISNAHME

  • Mark Zuckerberg scheint sehr besorgt um sein Ansehen – nicht anders ist jedenfalls zu erklären, dass er jemanden engagierte, der sich um nichts anderes kümmern sollte, als das öffentliche Ansehen von Zuckerberg via Umfragen minütlich zu ermitteln.
  • Russische Trolle haben auf Tumblr im Zuge der US-Wahl für hunderttausende Interaktionen gesorgt – pro Bernie Sanders und anti Hillary Clinton. Tumblr selbst äußert sich nicht zu den Recherchen von BuzzFeed News. Das könnte sich ändern, wie Twitter und Facebook mit Blick auf ihre Vorladungen im US-Kongress, etc. nur all zu gut wissen.