Facebook konkretisiert News Feed Umbau: Ab jetzt „trusted sources“, informative und lokale News mit mehr Reichweite

Martin

An dieser Stelle nur ganz kurz und am Montag dann ausführlicher im Briefing: Es gibt ein Update zum News Feed Umbau, das sich vor allem der Frage widmet, welche News künftig im News Feed der Nutzer auftauchen. Here we go:


„Trusted Sources“ FTW

Was ist? Der News Feed Umbau wird konkret. In einem Facebook-Post erklärt Mark Zuckerberg, dass Facebook-Nutzer künftig vor allem News von sogenannten „trusted sources“ in ihrem News Feed sehen werden.

Was sind „trusted sources“: Nutzer entscheiden in Form eines Rankings, wie vertrauenswürdig eine Quelle ist. Eben jene bekommen künftig mehr Reichweite im News Feed. Zum Teil wurden Nutzer in den vergangenen Monaten bereits dazu aufgefordert, Quellen zu bewerten.

Was heißt das für Publisher und Fanpage-Betreiber von News-Seiten? Alle News-Quellen, die von Facebook nicht als „trusted source“ eingestuft wurden, werden wohl sehr viel weniger Sichtbarkeit bekommen. Zitat: „Publications that do not score highly as trusted by the community may see a decrease.“ Darf man wohl als Euphemismus werten.

Was ist die Idee dahinter? Zuckerberg verspricht sich davon, Missinformationen, Propaganda und Fake News Herr zu werden, um so die Zeit, die Nutzer auf Facebook verbringen wieder zu einer „time well spent“ werden zu lassen. Hier im Briefing mehr zu der Idee hinter „time well spent“.

Was ändert sich noch? Neben der Aufwertung von News-Angeboten, die als „trusted sources“ eingestuft wurden, bezieht Facebook noch zwei andere Faktoren mit in die Kalkulation ein hinsichtlich der News, die im News Feed auftauchen:

  1. Informative News werden künftig ebenfalls höher gerankt. Auch hier entscheidet der Nutzer darüber, was vermeintlich informativ ist und was nicht.
  2. Lokale News bekommen ebenfalls einen Push hinsichtlich der Sichtbarkeit im News Feed. Etwas, dass sich die Nutzer sehr gewünscht hätten, teilt Facebook mit.

Wann kommen die Änderungen? Die Änderungen werden zuerst in den USA eingeführt, sollen aber sukzessive international greifen.

Wie groß sind die Veränderungen Zuckerberg zufolge beträgt der Anteil von öffentlichen Inhalten im News Feed der Nutzer aktuell durchschnittlich 5 Prozent. Künftig soll dieser Anteil nur noch 4 Prozent betragen – aber eben vor allem Inhalte, die den neuen Kriterien entsprechen.

Be smart: Facebook scheint mit diesem News Feed Umbau alle Verantwortung an die Technik und an die Nutzer abwälzen zu wollen. Sie wollen anscheinend unbedingt dafür Sorge tragen, nicht als diejenigen wahrgenommen zu werden, die darüber entscheiden, welche Nachrichten-Quellen im News Feed auftauchen. Mit anderen Worten: Sie wollen kein Medienunternehmen sein, das entsprechende Regulierung zu befürchten hätte. Lieber soll die Community in Form von repräsentativen Votings entscheiden, was vertrauenswürdige News-Quellen sind. Sobald diese Daten vorhanden sind, entscheidet dann der Algorithmus – und der ist schließlich frei von Bias, so das offenkundig weiterhin gelebte Mantra bei Facebook. Sind die Intentionen auch nicht die Schlechtesten – nämlich dem Nutzer qualitativ hochwertige News liefern zu wollen –  bleibt abzuwarten, wie das funktionieren kann. Bei 2 Milliarden Nutzern scheinen die Methoden zuweilen fast etwas naiv – ist doch durchaus denkbar, dass Nutzer schnell Angebote wie RT, Junge Freiheit und Co ebenfalls als vertrauenswürdig einschätzen.