Die Änderungen beim News Feed sind das bittere Ergebnis der größtmöglichen Abstimmung über die Beliebtheit von News bei Facebook

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Asche auf mein Haupt, aber so habe ich das noch gar nicht gesehen: Die Umstellung des Facebook News Feeds mit Blick darauf, künftig Posts von Freunden und Verwandten deutlich mehr anzuzeigen als Posts von Nachrichtenangeboten, ist vielleicht einfach das Ergebnis der größtmöglichen User-Befragung der Welt. Und die haben sich entschieden: Weniger Nachrichten bitte.

Die Geschichte geht so: Wenn sich über eine Milliarde Menschen mehrmals im Monat durch Facebook klicken, wird jeder Schritt von Facebooks Analyse-Team registriert. Wie in einer riesigen Labor-Situation werden alle Nutzer-Aktionen penibel notiert und ausgewertet. Facebook hat ein veritables Interesse daran, den User und seine Interessen bestmöglich zu verstehen. Nur so kann Facebook ein Ort bleiben, der für Nutzer relevant ist. Die Umstellung des News Feeds scheint nun das Ergebnis der folgenden Beobachtungen zu sein:

Menschen interagieren deutlich lieber mit Posts von Freunden und Verwandten

Menschen nutzen Facebook sehr viel passiver, laden also bei weitem nicht mehr so viele Bilder hoch, schreiben weniger Kommentare, etc.

Menschen sind sehr viel weniger geneigt, sich von Facebook wegzuklicken

Und das liest sich doch alles ziemlich vertraut. So ziemlich jeder Facebook-Nutzer dürfte es ja selbst gemerkt haben: So richtig spannend war Facebook in den letzten Monaten nicht mehr. Immer weniger Updates von Freunden, kaum noch läppische Foto-Alben, durch die man sich dann doch irgendwie durchklickt, etc.

Facebook ist von Journalismus-Anbietern als Kampfplatz auserchoren worden, an verloren geglaubtes Publikum heranzutreten. Mit Unmengen an Artikel-Links, Fotos, Videos, Gifs, Instant Articles und dergleichen versuchten Publisher den User eben dort abzuholen, wo er die meiste Zeit verbringt. Facebook fungierte bei dieser Entwicklung gern als Katalysator.

Nur haben Verlage ihre Leser eigentlich nie gefragt, ob sie auf Facebook wirklich gern so viel Journalismus angeboten bekommen möchten. Vielmehr wurde auf der ganzen Welt versucht, den Algorithmus von Facebook zu befriedigen: Mehr ist besser? Ok, dann mehr. Fotos laufen besser? Ok, dann Bilder mit Sprüche. Video läuft besser? Ok, dann mehr Video (inklusive Veränderungen innerhalb von Belegschaften). Der User scheint sich aber nun in all den Tagen, Wochen und Monaten gegen dieses Über-Angebot entschieden zu haben.

Eine Kollegin bei Pando schrieb neulich wahre Worte im Angesicht dieser Abstimmung:

If you serve Facebook’s algorithm more than your audience, why should you have one?

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