Die große Annäherung von Facebook und Snapchat

Martin

Zwei der größten Konkurrenten der Welt haben gerade wesentliche Teile ihrer Geschäftsstrategie überarbeitet: Facebook ändert den News Feed und Snapchat verabschiedet sich von der Vergänglichkeit (Snapchat). Beide Entscheidungen dürften die Plattformen vorerst gewaltig verändern.

Das Interessante dabei: Während Facebook sich wieder stärker von professionellen Inhalten lossagt (Posts von Freunden/Bekannten werden im News Feed höher gewertet als Posts von Medienanbietern), öffnet sich Snapchat einer Professionalisierung von Inhalten (Künftig können Snaps auch von der Smartphone-eigenen Camera-Roll in Stories integriert werden.)

Privat betrachtet finde ich den Schritt von Facebook spannender: Schon vor ein paar Monaten hatte ich angemerkt, dass Facebook zu sehr zu einem Ort geworden ist, der maßgeblich von professionellen Inhalte-Anbietern geprägt wird. Nun ist jeder seines News Feeds Schmied, aber wenn sich am Ende keiner mehr traut, eigene Inhalte zu posten, weil sie im Vergleich zu den Fotos von National Geographic immer abstinken, dann wird es halt auch öde. Und genau dem will Facebook nun entgegenwirken.

Snapchat geht den umgekehrten Weg und lässt es künftig zu, auch Inhalte aus der Smartphone-eigenen Camera Roll in Stories hochzuladen. Umgekehrter Weg deshalb, weil dies unweigerlich zu einer wesentlich stärker orchestrierten Veranstaltung führen wird. Nutzer können fortan Fotos und Videos in Stories einbinden, die vorher bei Photoshop, Final Cut oder After Effects bearbeitet wurden (Hallo Facebook, Hallo Instagram!). Die rohe Unmittelbarkeit, die einen großen Reiz von Snapchat ausmachte, dürfte damit verloren gehen.

Dass sich Snapchat darüber hinaus auch noch vom Alleinstellungsmerkmal „Vergänglichkeit“ löst, ist ebenfalls beachtenswert. Die neue Funktion Memories ist aus Business-Sicht verständlich: Viele nutzen Snapchat als Default-Kamera. Jetzt hat Snapchat eine Möglichkeit geschaffen, das Smartphone-eigene Foto-Album überflüssig zu machen. Das bringt Snapchat mehr Daten und mehr Aufmerksamkeit.

Die Trennung vom Leitgedanken „Vergänglichkeit“ wird aus meiner Sicht aber dazu führen, dass Nutzer sehr viel bewusster selektieren, welche Inhalte bei Snapchat publiziert werden. Aus Datenschutzperspektive vielleicht ganz interessant, aus Konsumenten-Sicht aber unter Umständen weniger. Der nächste logische Schritt: Snapchat ermöglicht es Nutzern, Memories für Dritte zugänglich zu machen. Dann hätte auch Snapchat seine Timeline.

So sehr die Konkurrenten Facebook und Snapchat auch am jeweiligen Produkt schrauben: Am Ende nähern sie sich immer mehr an.