Facebook Video: Völlig überbewertet

Martin

Facebook hat ein Problem: Über Monate hinweg haben sie die durchschnittliche watch time von Videos viel zu hoch angesetzt. Dabei haben sie sich nicht nur ein bisschen vertan, sondern massiv: 60–80 Prozent zu hoch seien die bislang ausgewiesenen Zahlen.

Der Fehler rührte daher, dass Facebook bislang bei der average time spent watching videos nur Videos berücksichtigte, die bereits über drei Sekunden angeschaut wurden. Der Großteil der Videos, über den im News Feed einfach hinweg gescrollt wird, fand also in dieser Berechnung überhaupt keine Berücksichtigung.

Nun dürften Marketing-Strategen und Webvideo-Abteilungen in Medienhäusern natürlich ziemlich entrüstet sein, haben sie doch in den letzten Monaten massiv auf Video bei Facebook gesetzt, ganze Abteilungen dafür geschaffen, andere dafür abgebaut und Millonen Euro investiert, um dem vermeintlichen Video-Hunger der Nutzer besser zu begegnen. Ob diese Entscheidungen richtig waren, werden die neuen Zahlen zeigen.

Facebook führt ab September eine neue Metrik ein, die besser aufzeigen soll, wie es um den Video-Konsum auf der Plattform bestellt ist. Das ist natürlich sehr freundlich. Grundsätzlich zeigt dieser Eklat aber ein ganz anderes Problem auf: Es gibt keine Möglichkeit, die Zahlen von Facebook zu kontrollieren:

Facebook erfindet Kennzahlen wie Views, Likes & Shares. Anhand dieser Kennzahlen bemisst sich der Preis für Werbung, ganze Industrien richten ihre Strategien nach ihnen aus, Personen & Firmen auf der ganzen Welt steigen und fallen mit ihnen — aber es gibt niemanden, der diese Zahlen überprüfen kann — außer Facebook selbst. DAS ist ein Problem.

Ich bloggte darüber bereits im März 2015 einen Artikel mit dem Titel „Zahlen, die keiner kontrollieren kann, die aber die Welt bedeuten„.