Fake News im US-Wahlkampf mit geringerer Bedeutung als angenommen

Martin blog, pro

Fake News hatten im US-Wahlkampf eine wesentliche geringere Bedeutung als bislang angenommen. Laut den Ergebnissen einer Untersuchung der Stanford University hatten fake news weniger Überzeugungskraft und waren weniger einflussreich als es derzeit in der öffentlichen Debatte diskutiert wird.

„Leser der Studie könnten sehr gut begründet zu dem Ergebnis kommen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass fake news den Ausgang der Wahl bestimmt haben“, fasst Matthew Gentzkow, einer der beiden Verfasser der Studie, die Ergebnisse zusammen. Streng wissenschaftlich betrachtet ließe es sich aber auch nicht komplett ausschließen, fügt er an.

Die beiden Wissenschaftler kommen zu folgenden Ergebnissen:

  • Social Media war für US-Amerikaner nicht die Hauptquelle für politische News im Jahr 2016. Nur 14 Prozent der Befragten geben an, dass sie Facebook und andere Social-Media-Plattformen hauptsächlich für die Berichterstattung rund um die US-Wahl genutzt hätten.
  • Vielmehr bleibe Fernsehen die wichtigste Quelle für die politische Berichterstattung.
  • In den drei Monaten vor der Wahl wären pro Trump fake-news-Artikel rund 30 Millionen Mal geteilt worden. Das sind etwa viermal so viele wie pro Clinton. Und dennoch seien die am weitesten verteilten fake news nur von einer kleinen Gruppen von Amerikanern gesehen worden. Und nur die Hälfte von denen, die sie gesehen hatten, hätten die fake news auch geglaubt.
„For fake news to have changed the outcome of the election, a single fake news story would need to have convinced about 0.7 percent of Clinton voters and non-voters who saw it to shift their votes to Trump, a persuasion rate equivalent to seeing 36 television campaign ads“Matthew Gentzkow, Stanford University

Die Ergebnisse widersprechen also in wesentlichen Punkten der aktuellen, öffentlichen Wahrnehmung, dass fake news für die Wahl von Donald Trump eine entscheidende Rolle gespielt hätten. Gleichwohl wird deutlich, dass fabricated news eine Gefahr darstellen können mit Blick auf den Meinungsbildungsprozess, gerade für Leute, die sich vornehmlich über Social Media informieren.

Es bedarf für mein Dafürhalten einer strengeren Unterscheidung bei den Begrifflichkeiten. Nicht alles sind fake news, also tatsächlich extra produzierte Unwahrheiten in Form von Artikeln. Häufig genug, gerade in Deutschland, sind es vielmehr trügerische Überschriften oder Teaser-Texte bei Facebook-Postings. Warum es eine Gefahr sein kann, hier nicht trennscharf vorzugehen, habe ich an dieser Stelle ausführlich geschrieben: Alles ist fake.

Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf und die zunehmende Bedeutung von Social-Media-Plattformen für die Meinungsbildung steht uns allen einige Arbeit ins Haus. Vor allem sollten wir uns aber davor hüten, Worthülsen wie fake news zu allgemeingültigen Narrativen zu verklären.

Vielmehr gilt es sich sehr genau anzuschauen, um was für eine Form von fake es sich handelt.