Live-Video bei Facebook: Wenn du auf einmal immer auf Sendung bist

Martin

Live ist das nächste große Ding bei Facebook. Nach dem Shift zu Video, ist nun Live-Video ganz massiv im Fokus bei Facebook. Wer auf Facebook etwas erreichen will, macht Video. Am besten live.

Künftig sollen nicht nur Nachrichtenangebote live senden, sondern auch Stars, Politiker und Sportler live über Facebook ihre Fans bedienen. Pressekonferenzen in eigener Sache — ohne nervige Nachfragen von Journalisten. Das total lustige Abendessen mit guten Freunden — wer würde bei Jay Z, Beyonce und Boateng nicht einschalten? Oder der Blick in die Umkleidekabine bei Borussia Dortmund — was für ein Spaß!

All das sind Situationen, die künftig ausschnittsweise auch auf Facebook zu sehen sein könnten. Facebook setzt massiv auf das Theme Live und hat deshalb erneut am News Feed geschraubt. Live-Video wird bevorzugt angezeigt. Ist ja auch klar: Man will ja im besten Fall live dabei sein und muss es dafür natürlich auch mitbekommen, wenn jemand live ist.

Doch bei den Personen des öffentlichen Lebens bleibt Facebook nicht stehen. Live ist für jeden verfügbar. Bald könnten wir also all den Wahnsinn, der heute schon auf Facebook stattfindet, auch live zu sehen bekommen:

  • Eltern könnten nun direkt live senden, wenn ihr Sprössling mal wieder irgendetwas total Süßes macht, anstatt es einfach nur mit der Kamera festzuhalten und sich danach zu entscheiden, es bei Facebook hochzuladen.
  • Kids, die bei Facebook — respektive Instagram/Snapchat — gern ihre Parties dokumentieren in Form von Fotos und Videos könnten künftig einfach direkt auf Facebook live gehen.
  • Menschen, denen total dumme Sache passieren — #fails — könnten sich künftig in Live-Videos bei Facebook wiederfinden.

Nur drei von Tausend Situationen, die denkbar werden.

Mark Zuckerberg jedenfalls hat bei seinem Besuch in Deutschland direkt den neuen Maßstab diktiert, um möglichst vielen die Angst davor zu nehmen, live zu gehen.: You can`t be perfect in every situation.

Dieser Hinweis ist wohl auch ein Wink in Richtung Snapchat, wo Fotos und Videos in der Regel sehr viel roher und authentischer hochgeladen werden als dies in der zumeist ziemlich idealisierten Welt bei Instagram oder Facebook der Fall ist. Aber vor allem ist es wohl der Versuch, eine neue Norm zu etablieren: Geht live. Seid live. Keine Scheu. Alles ok.

  • Was aber, wenn „live“ die neue Norm wird?
  • Was also, wenn es heißt: Wie, du bist gar nicht live?
  • Was wäre, wenn „live“ derart zum Normalfall wird, dass wir alle andauernd auf Sendung sind?
  • Oder zumindest immer jemand in der Gegend ist, der gerade etwas live filmt?
  • Wie verändert das unser Verhalten, unser Miteinander?
  • Was hat das für rechtliche Implikationen?
  • Werden wir dadurch alle zu freiwilligen Mikro-Überwachungskameras unser aller Leben?

Man könnte nun argumentieren, dass diese Technik natürlich bereits seit Periscope/Twitter einem Millionenpublikum zuteil geworden ist. Und da ist „live“ nun einmal überhaupt nicht zur neuen Massenbewegung geworden.

Manchmal dauert aber die Etablierung neuer Techniken etwas. Gerade in Deutschland. Und dann trifft sie uns auch hier mit voller Wucht. Wie alt ist Facebook gleich? Genau. Und überhaupt: Facebook traue ich bei der Setzung solcher kultureller Normen eine viel größere Macht zu als Twitter.

Live is life.