Nichts ist privat

Martin

Hier ist ein Gedanke: Alles, was ich in sozialen Netzwerken teile, ist nicht unbedingt öffentlich, aber garantiert niemals privat. Egal welche Privatsphäre-Einstellungen ich auch bemühe, alles, was ich in sozialen Netzwerken von mir mitteile, ist mindestens für die Plattform selbst einseh- und auswertbar.

Allein Facebook lockt Werber aktuell mit über 98 Datenpunkten, über die Nutzer zielgenau angesprochen werden können. Das Targeting reicht dabei von der ethnischen Zugehörigkeit bis zu Nutzergruppen, die Medikamente gegen Allergien kaufen.

Warum ich das schreibe? Nun: Bislang hatten sich die sozialen Netzwerke bei der Analyse der Nutzer auf die in Textform eingegeben Daten beschränken müssen: artikulierte Interessen, geteilte Postings, Surfverhalten.

Jetzt gehen die Netzwerke dahin, auch geteilte Fotos und Videos genauestens zu analysieren, um somit Rückschlüsse auf den Nutzer ziehen zu können. Was ist in dem Bild zu sehen? Wo ist es entstanden? Wer ist noch auf dem Bild?

Künftig soll es für Werber also ermöglicht werden, Nutzer aufgrund der von ihnen geteilten Fotos gezielt anzusprechen. Bedeutet im übertragenen Sinne: Du schreibst zwar auf Facebook nie, dass du gern Joggen gehst, teilst aber ständig Fotos von dir beim Joggen auf Instagram? Wie wäre es mit ein paar neuen Schuhen von Adidas? Nun, du kriegst die Idee…

Selbst wenn du also etwa bei Instagram ein privates Konto hast und folglich Fotos nur mit von dir ausgewählten Nutzern teilst, wird Instagram (respektive Facebook) bald noch sehr viel mehr über dich und deine Interessen und Vorlieben wissen.

Social Media Plattformen haben es tatsächlich geschafft, den ursprünglichen Gedanken von Privatsphäre umzudefinieren, indem sie sagen: Überlege dir genau, mit wem du etwas teilst. Was sie quasi nie sagen: Mit uns teilst du immer alles.