Erfolg im Plattform-Zeitalter

Martin

Wenn wir in Deutschland darüber nachdenken, ob eine Website erfolgreich ist, dann gibt es darauf unterschiedliche Antworten. Aus Vermarktungssicht sind vor allem die Auszählungsverfahren via IVW und Co relevant. Es zählen Klicks auf das Web-Angebot.

Daneben gibt es seit einiger Zeit einige neue Faktoren, die ebenfalls gern bemüht werden, um aufzuzeigen, dass eine Website erfolgreich ist: die Anzahl von Social-Media-Interaktionen auf einen Artikel.

Das Angebot von 10000flies.de etwa zeigt jeden Tag aufs Neue auf, welche Artikel am meisten Social Buzz hatten. Monatlich gibt es Auswertungen, welche Anbieter am meisten geteilt werden auf Facebook.

Das Interessante daran ist, dass es sich auch dabei um eine Vermessung des Erfolgs von Websites, bzw. einzelnen Artikeln handelt. Und genau das ist total antiquiert: Der Erfolg entscheidet sich nicht nur auf Websites, sondern auch in der Reichweite auf Social Media selbst!

Warum das so ist: Facebook ist für viele Nutzer zum Tor zum Internet geworden. Legacy Media muss Inhalte auf Facebook lancieren, um weiter wahrgenommen zu werden. Facebook selbst hat dabei ein extrem großes Interesse daran, Nutzer auf der eigenen Plattform zu halten. Ein Klick zu einem Web-Angebot ist eine verpasste Chance, Geld zu verdienen. Also lässt sich Facebook zahlreiche Wege und Mittel einfallen, um Nutzer im geschlossenen System Facebook zu halten. Das funktioniert vor allem darüber, dass Facebook Inhalte priorisiert im News Feed der Nutzer anzeigt, die direkt und unmittelbar auf Facebook konsumiert werden können:

  • Videos, die bei Facebook hochgeladen wurden
  • Lustige Sprüche auf Bildern
  • Fotos
  • Statements in Form von Status-Updates

Verweise auf Artikel via Link-Postings werden von Facebook zwar aktuell auch noch ausgespielt, aber eben nur zweitrangig. Mit der Einführung von Instant Articles für jedermann dürfte sich die algorithmische Bewertung von Link-Postings noch verschlechtern.

Und all das wissen auch die Website-Angebote. Von uralten Angeboten wie der Tagesschau bis hin zu ganz neuen Playern wie Der Postillon werden immer mehr Inhalte direkt auf Facebook geteilt, um eben dort Reichweite zu erzielen, Fans aufzubauen, Interaktionen zu landen.

Genau diese Zahlen wachsen bei allen Medienanbietern in Deutschland massiv (Tausende Likes und Shares auf Videos, Fotos, Grafiken bei Facebook selbst) — finden aber in der Bewertung, ob eine Website erfolgreich ist oder nicht, keine Berücksichtigung. Das sollte sich ändern.

BuzzFeed ist leider auch hier einmal mehr der Vorreiter: Interaktionen bei Facebook, Views bei Snapchat/YouTube und selbst die Reichweite von Tweets zählen auf die von BuzzFeed erhobene Total-Reichweite ein.

Die Frage im Plattform-Zeitalter lautet nicht, wie viele Leute haben auf einen Artikel geklickt. Die Frage lautet: Wie viele Leute sind mit meinen Inhalten — egal wo — in Kontakt gekommen.