Weil Textverzicht die Verlage nicht retten wird

Martin

Abgesehen davon, dass die lautesten Kritiker von öffentlich-rechtlichen Textinhalten Vertreter hochprofitabler Medienkonzerne sind, ist öffentlich-rechtliche Konkurrenz kein Grund für wirtschaftliche Probleme einzelner Verlag(sangebot)e. Das lässt sich in den USA beobachten, wo das Zeitungssterben besonders weit fortgeschritten ist, es aber keine nennenswerte öffentlich-rechtliche Konkurrenz gibt.

Quelle: Neues aus dem Fernsehrat [netzpolitik]

Die Strategie hinter den Umbrüchen im US-Medienmarkt

Martin

Was ist: Der US-Medienmarkt befindet sich gerade in einem ziemlich krassen Umbruch: reihenweise verkaufen Medien-Mogule ihre Firmen an Telekommunikationsanbieter oder noch größere Medienunternehmen.

Die Idee dahinter ist stets die gleiche:

  • Es gilt eine direkte Verbindung zum Nutzer aufzubauen
  • Inhalte sind dabei Mittel zum Zweck
  • Um (a) entweder Verträge über Mobilfunk oder Internetanschlüsse zu verkaufen
  • (b) Abos an den Mann / die Frau zu bringen
  • (c) Oder Werbung möglichst zielgenau auszuspielen

Stichwort Targeting: Gerade mit Blick auf die Ausspielung von zielgenauer Werbung, ein Geschäft, das ansonsten vor allem von Google und Facebook dominiert wird, sehen Telekommunikationsunternehmen wie AT&T ein riesiges Potential – kein Wunder, wissen sie doch so viel über ihre Kunden, dass sie einer der Lieblingspartner der NSA sind. Aber letztlich ist das auch das Erfolgsgeheimnis von Netflix und Amazon – je mehr die Unternehmen über ihre Kunden wissen, desto besser können sie ihre eigenen Produkte auf die Konsumwünsche der Nutzer ausrichten.

Das Problem dabei: Je nachdem welches Geschäftsmodell am erfolgreichsten ist (A,B oder C), verkommen Inhalte damit nur noch zur Marketingmaßnahme, um neue Kunden für die Datenverträge zu gewinnen.

Plus: Diese Grafik von recode zeigt sehr gut, wie es um das aktuelle Marktvolumen der jeweiligen Unternehmen bestellt ist und wo sich neue Zusammenschlüsse auftun – etwa zwischen AT & T und Time Warner, sowie zwischen 21st Century Fox und Disney.

Briefing für den 7.6.2018 | Ausgabe #462

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 462. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings! Heute werfen wir einen Blick auf die Bemühungen von Facebook Inc, das Video-Angebot auf den eigenen Plattformen weiter auszubauen. Zudem gibt es die Geschichte hinter dem Abgang der beiden WhatsApp-Gründer. Vielen Dank für das Interesse, Martin & Team


Insta Discovery Tube

Was ist: Einem Bericht zufolge wird bei Instagram gerade schwer daran gearbeitet, künftig auch Videos mit einer Gesamtlänge von bis zu 60 Minuten auf der Plattform anzubieten. Daneben soll es einem weiteren Bericht zufolge auch einen speziellen Ort geben, an dem Shows, Musikvideos und alles, was Content Creator und Publisher halt so produzieren, angeboten werden. Natürlich alles hochkant.

Warum ist das interessant: Das Vorhaben unterstreicht Facebook Incs Pläne, das eigene Angebot an Videos weiter auszubauen. Bereits vor Monaten hatte Mark Zuckerberg verlauten lassen, dass er davon ausginge, dass Video das primäre Format darstellen würde, wie Nutzer Inhalte auf Facebook erleben. Dass dies nun auch für Instagram gelten könnte, war so allerdings nicht abzusehen. Zudem ist dies natürlich ein weiterer Frontalangriff auf YouTube und Snapchat, das mit seiner Discover-Sektion ähnliche Angebote bereitstellt.

Was ist davon zu halten:

  • Auf der einen Seite versucht Facebook natürlich die wachsende Popularität von Instagram zu nutzen, um noch mehr Werbeeinnahmen zu erzielen – im Segment Video ist schließlich weiterhin viel Musik drin hinsichtlich der zu verteilenden Werbegelder. Aus Business-Sicht also ein durchaus nachzuvollziehender Schachzug.
  • Auf der anderen Seite sind Publisher und Content Creator natürlich auch daran interessiert, gerade auf den Plattformen zu wirken, auf denen sich die meisten Leute tummeln. Von daher ist das Vorhaben sicherlich aus der Sicht von Facebook und aus der Sicht der Inhalte-Anbieter interessant.

Und was ist mit dem Nutzer? Genau da liegt das Problem. Bislang wird Instagram nicht für Videos genutzt, sondern für Fotos und Stories. Ob die Nutzer es goutieren, wenn die Plattform jetzt weiter aufgebohrt wird, halte ich für fraglich. Die spannende Frage lautet also: Kriegt Facebook Instagram noch kaputt oder schaffen sie es die Plattform so auszubauen, dass die Nutzer nicht vergrault werden?


Exklusive News-Shows bei Facebook Watch

Was ist: Auch die zweite Nachricht des Tages beschäftigt sich mit Facebooks Plänen, das Video-Segment auf der eigenen Plattform auszubauen. So hat Facebook angekündigt, dass es ab Sommer extra für Watch produzierte Nachrichten-Angebote geben wird.

Wer ist mit dabei: Vorerst hat Facebooks Head of Global News Partnerships, Campbell Brown, sieben Shows angekündigt – darunter:

  • ABC News‘ „On Location“ [wt] is a daily news show with ABC News journalists from around the globe delivering on-the-ground reporting and the top headlines that are driving the day.
  • Advance Local’s „Chasing Corruption“ In Alabama Media Group’s Chasing Corruption’s weekly series, host Ian Hoppe and the Reckon by AL.com team travel across the USA to meet some of America’s toughest watchdog journalists — and the stories of conspiracy, bribery, fraud and more they’ve uncovered.
  • ATTN:’s „Undivided ATTN“ is a weekly explainer show that breaks down the biggest issue of the week. In 3-5 minute episodes hosted by a rotating cast of social influencers, Undivided ATTN: will provide context on the stories everybody’s talking about.
  • CNN’s „Anderson Cooper Full Circle“ is a daily global brief on the world, M-F evenings featuring Anderson Cooper and a roster of guests. The interactive program will air live from Anderson’s New York City newsroom in mobile-friendly vertical video.
  • FOX News‘
    Fox News Update“ will focus on up-to-the minute breaking news and the most compelling stories of the day. FNC’s chief news anchor Shepard Smith will report the latest news each weekday afternoon, with Carley Shimkus updating viewers every morning. Additionally, Abby Huntsman will provide the latest headlines once each morning throughout the weekend.
  • Mic’s „Mic Dispatch“ reveals the world as we see it: complicated, diverse and full of potential. Mic correspondents on this new, twice-weekly show go beyond the headlines to profile the underrepresented, the problem-solvers and the provocateurs.“
  • Univision’s „Real America with Jorge Ramos” Award-winning journalist, anchor and author Jorge Ramos travels the country to talk to immigrants of diverse backgrounds and situations, delivering a rarely covered view of today’s America from their perspective. Univision will also cover the top stories in Spanish at noon every day on Watch with “Noticiero Univision Edición Digital.“

Wie ist das zu bewerten? Zunächst einmal klingt das alles sehr spannend. Wenn ich mir etwa vorstelle, dass analog zu CNNs Anderson Cooper hierzulande Claus Kleber in Ergänzung zu seiner heute-journal-Ausgabe einige Stunden vorher extra auf Facebook noch eine Sendung anbietet, dann würde das sicherlich für ordentlich Schlagzeilen sorgen. Von daher ist es schon beachtlich, wie ernst die einzelnen Sender es mit Facebook Watch meinen. Allerdings müssen wir auch sehr genau anschauen, welche Inhalte dann wirklich dort auf Facebook präsentiert werden. In der Ankündigung von CNN etwa heißt es, man wolle:

(…)deliver insight into the daily news stories that Facebook audiences care about most, leveraging the interactivity of the platform to inform each evening’s lineup and engage a new generation of consumers.

Welche News das dann sein werden, die bei der Facebook-Audience besonders relevant sind, wird man sehen.

Wie finanziert sich das? Allem Anschein nach zahlt Facebook für die Produktion der Shows. Genaues weiß man noch nicht. Insbesondere nicht, wie lange dieser Deal gilt. Auch kommt hier der berühmte Matthäus-Effekt zum Tragen: Facebook finanziert Sender, Shows und Gesichter, die sich bereits im traditionellen TV großer Beliebtheit erfreuen. Alternative Medien werden durch diese Form der Partnerschaften keine Vorteile genießen.

Be smart: Facebook hat sich bislang mit Journalismus auf der Plattform sehr schwer getan. Egal ob mit Blick auf Trending Topics, die große Gleichmacherei von Weltklasse-Reportagen, Werbung und Katzenbildern oder hinsichtlich einer Gewinnbeteiligung für das Bereitstellen von Inhalte auf Facebook. Die nun angekündigte Koop für Facebook Watch scheint für Facebook eine Option zu sein, erstens News auf der Plattform kontrolliert anbieten zu können – und zweitens News-Anbieter eben auch an den Gewinnen ein Stück weit zu beteiligen, wenn auch nur sehr ausgewählt. Ob das reicht, um Facebook aus der Verantwortung zu nehmen hinsichtlich der gesellschaftlichen Relevanz, die es im Bereich Verteilung von Informationen, erlangt hat, wage ich zu bezweifeln.


One More Thing

Der Abgang der WhatsApp-Gründer: In einem längeren Artikel beschreibt das Wall Street Journal, warum es von Anfang an nicht so richtig stimmte zwischen WhatsApp und Facebook. So hätten die beiden WhatsApp-Gründern wohl von Beginn an große Vorbehalte gegenüber der Monetarisierung ihrer App gehabt – vor allem Werbung wäre für die beiden Gründer keine Option gewesen. So sieht Gründer Jan Koum Werbung als eine „Beleidigung für die Intelligenz“. Das konnte natürlich nicht lange gut gehen und so ist der Abgang der beiden Gründer wohl auch als Zäsur hinsichtlich der App selbst zu betrachten – ein Aufweichen der Verschlüsselung und die Einführung von Werbung wurden von Zuckerberg und Sandberg dem Artikel zufolge immer wieder gefordert. Mal sehen, wie sich das also für WhatsApp alles weiter entwickelt.

Briefing für den 6.6.2018 | Ausgabe #461

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 461. Ausgabe des Facebook Social Media Watchblogs! Ich freue mich sehr, weiterhin so viele neue Kollegen hier begrüßen zu dürfen – das ist wirklich großartig. Herzlichen Dank für die zahlreichen Empfehlungen! Nun auf zum Briefing, vielen Dank für das Interesse, Martin & Team


Ooops, they did it again

Es tut mir wirklich leid, werte Abonnenten, aber wir kommen auch an dieser Nummer nicht so leicht vorbei, wie Facebook sich das wünscht.

Was ist: Facebook sieht sich einer neuen Welle von Kritik ausgesetzt, nachdem herausgekommen war, dass sie über Jahre hinweg mindestens 60 Hardware-Herstellern Zugang zu persönlichen Datensätzen von Facebook-Nutzern gegeben hatten.

Was für Hersteller sollen das gewesen sein? Naja, quasi alles, was Rang und Namen hat, könnte auch in Besitz Deiner Facebook-Daten sein – also zumindest einem Teil davon. Zum Beispiel Apple, Samsung, Amazon oder all die andere Firmen, die Smartphone, Tablets, Fernseher oder Videospiel-Konsolen herstellen.

Warum hat Facebook das getan?

  • Facebook argumentiert, dass die Datenweitergabe notwendig gewesen sei, weil zum damaligen Zeitpunkt noch jeder Smartphone-Hersteller mehr oder weniger sein eigenes Betriebssystem gehabt hätte, zugleich aber der – Zitat – „Bedarf“ an Facebook enorm gewesen wäre. So hätten die Hersteller nach Facebook-Logik nur eine Verlängerung von Facebook dargestellt.
  • Blöd nur, dass die Hersteller offenbar nicht nur die Facebook-Daten der Nutzer des entsprechenden Smartphones abgreifen konnten, sondern wohl auch die von deren Freunden.

Warum ist das ein Problem? Deutschlands oberster Datenschützer, Johannes Caspar, nennt die Datenweitergabe „eine beispiellose Verletzung der Datenschutzgesetze und des Nutzervertrauens“.

Gab es denn einen Missbrauch der Daten? Darüber ist bislang nichts bekannt. Aber wirklich vertrauenserweckend ist die Nachricht nun auch wieder nicht. Oh, Facebook, ey.


Fanpage-Betreiber in der Pflicht

Was ist: Einem EuGH-Urteil zufolge sind Betreiber von Facebook-Fanseiten zusammen mit Facebook für den Schutz von Nutzerdaten verantwortlich.

Was heißt das konkret? Nun, genau das lässt sich noch nicht abschließend sagen. Die einen sehen Facebook mehr in der Pflicht, andere die Fanpage-Betreiber mindestens genauso, wenn es darum geht, Nutzer darüber aufzuklären, welche Daten beim Besuch einer Fanpage erhoben werden.

Wie geht es nun weiter? Das EuGH hat jetzt zunächst einmal ein Grundsatzurteil gefällt. Seitenbetreiber sollten jetzt nicht direkt in Panik verfallen, sondern zunächst einmal die weitere juristische Auseinandersetzung beobachten. Bis abschließende Regelungen getroffen werden müssen, kann es noch Monate dauern.

Aber: Vielleicht ist es trotzdem ein guter Anlass darüber nachzudenken, ob eine Fanpage wirklich sein muss. Vielleicht gibt es ja auch andere Wege, mit Nutzern ins Gespräch zu kommen. Falls das überhaupt das Interesse sein sollte.


Apple vs Facebook

Was ist: Apple hat Facebook auf seiner WWDC 2018 Konferenz ziemlich abgewatscht. Normalerweise wäre diese PR-Show keine Nachricht wert, aber in diesem Fall ist das etwas anders.

Warum ist das interessant? Mark Zuckerberg und Tim Cook sind in den letzten Monaten häufiger öffentlich miteinander hart ins Gericht gegangen. So wird der Apple-Boss nicht müde, Facebook für sein Geschäftsmodell, also die Total-Überwachung der Nutzer, um die erworbenen Kenntnisse Werbepartner zur Verfügung zu stellen, hart zu kritisieren. Nun hat Apple einige Features angekündigt, die genau dieser Überwachung einen Riegel vorschieben sollen.

Was hat Apple vor? Künftig wird Safari, also Apples Browser, die Nutzer alarmieren, wenn Dritte beim Laden einer Website versuchen, die Daten der Nutzer abzugraben. Das Apple-Beispiel dafür lautet:

Do you want to allow ‘facebook.com’ to use cookies and website data while browsing ‘blabbermouth.net’?

Und weiter? Zudem möchte Apple seinen Nutzern mehr Werkzeuge an die Hand geben, um sich aus den Hooks zu befreien, die von den Social-Media-Unternehmen eingesetzt werden, damit Nutzer möglichst lange auf der Plattform bleiben. (Ich habe für brand eins ausführlich über diesen Mechanismus geschrieben.) Konkret wird Apple eine Übersicht ins iOS integrieren, die anzeigt, wie viel Zeit auf bestimmte Apps verwendet wurde – auch lässt sich ein Limit für die Verwendung bestimmter Anwendungen festlegen. Kennt man ja alles bereits von anderen Apps. Nun also auch bei iOS fest integriert.

Money Quote: It’s akin to slapping calorie counts on a McDonald’s menu board in tiny print; it’s all there, you can and will probably read it, but you’re already inside the door at that point and it’s unlikely you’ll turn around and walk out. (Molly McHugh, The Ringer)

Be smart: Apple geriert sich in den westlichen Medien gern als Datenschützer. Tim Cooks „Privacy is a human right“ kann ich aber leider erst dann Glauben schenken, wenn sie auch wirklich selbst nach der Maxime leben. Aktuell gilt das Gebot nämlich z.B. nicht für Menschen in China. Dort schmeißt Apple auf Wunsch der Regierung Apps aus dem Appstore, die den Menschen vor Ort eigentlich mehr Privatsphäre zugestehen würden. Warum sie das machen? Nun: sie wollen gern ihre Hardware in China an den Mann bringen. Da muss der Datenschutz leider mal kurz warten.


Wie Instagrams Algorithmus funktioniert

Was ist: Die Tage der chronologischen Sortierung sind ja bekanntlich auch bei Instagram seit geraumer Zeit vorbei. Kein Wunder also, dass nicht nur über den Facebook-Algorithmus, sondern auch über den Instagram-Algorithmus viele Mythen entstanden sind und sich Social-Media-Experten und Influencer den Kopf darüber zermatern, wie der Algorithmus nun am besten bespielt wird. Dabei ist es eigentlich alles ganz einfach, wie Instagram nun in einer Session gegenüber Reportern erklärt hat.

Drei Hauptfaktoren bestimmen laut Instagram, was in deinem Feed angezeigt wird:

  • Interest: How much Instagram predicts you’ll care about a post, with higher ranking for what matters to you, determined by past behavior on similar content and potentially machine vision analyzing the actual content of the post.
  • Recency: How recently the post was shared, with prioritization for timely posts over weeks-old ones.
  • Relationship: How close you are to the person who shared it, with higher ranking for people you’ve interacted with a lot in the past on Instagram, such as by commenting on their posts or being tagged together in photos.

Neben diesen Hauptfaktoren gibt es drei weitere Faktoren, die ebenfalls Einfluss auf den Feed haben:

  • Frequency: How often you open Instagram, as it will try to show you the best posts since your last visit.
  • Following: If you follow a lot of people, Instagram will be picking from a wider breadth of authors so you might see less of any specific person.
  • Usage: How long you spend on Instagram determines if you’re just seeing the best posts during short sessions, or it’s digging deeper into its catalog if you spend more total time browsing.

Be smart: Instagram bestraft Nutzer nicht dafür, wenn sie zu viele Hashtags benutzen. Also: #love, #instagood, #tbt, #cute, #photooftheday, #instamood, #beautiful, #picoftheday, #igers, #instadaily, #iphonesia, #instagramhub.


Grundlagen

Das Stories-Format: Snapchat hat es erfunden, Instagram erfolgreich kopiert und Facebook geht davon aus, dass es bald das dominierende Format sein wird, um sich auszudrücken – Stories sind gekommen, um zu bleiben. Und während wir hier im Briefing an anderer Stelle schon darauf verwiesen, dass Stories wohl das erste Mobile-Native-Format ist, das seinen Weg in den Mainstream gefunden hat, gibt es heute einen guten Überblicksartikel von Kollege Jan Tißler, der sich ausführlich mit dem Stories-Format beschäftigt hat und erklärt, was Unternehmen jetzt wissen müssen.


Statistiken

US-Teens haben keinen Bock mehr auf Facebook: Laut einer aktuellen PEW-Studie hat Facebook bei den 13- bis 17-Jährigen massiv an Bedeutung verloren. YouTube ist bei ihnen die Nummer 1, gefolgt von Instagram auf Platz 2 und Snapchat auf Platz 3. Spannend ist, dass Instagram zwar von mehr Kids genutzt wird, Snapchat dafür aber häufiger. Aber hey, ist halt auch erst einmal nur eine Umfrage. Mal schauen, wie die nächsten Quartalszahlen jeweils so aussehen.


Neues von den Plattformen

Facebook

  • Goodbye Trending Topics: Facebook killt die Trending Topics. Dieser immer wieder schief gegangene Versuch, Twitter Trends nachzubauen, hat nun endlich ein Ende gefunden.
  • Lip Sync kann man jetzt auch bei Facebook. Muss man gar nicht mehr Musical.ly für nutzen. Also kann man natürlich weiterhin. Und werden die Kids auch, meine ich. Mit Facebook ist das halt so wie mit einer schlechten Großraumdisco – klar gibt es da auch Bier und laute Musik. Aber die Kids wollen trotzdem lieber auf die illegale Outdoor-Party.

One More Thing

Es gibt für alles eine App – natürlich auch für die 7 Todsünden: Wollust (Tinder), Völlerei (Yelp), Habgier (LinkedIn), Trägheit (Netflix), Zorn (Twitter), Neid (Facebook) und Hochmut (Instagram).

Briefing für den 31.5.2018 | Ausgabe #460

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 460. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Heute u.a. mit einem Blick auf Snapchats und Facebooks Performance bei der Code Conference und vielen Lesetipps fürs Wochenende! Am Freitag fällt das Briefing aus. Wir lesen uns dann nächste Woche wieder. Herzlichen Dank für das Interesse, Martin & Team


Snapchat vs. Facebook = eine Frage der Werte?

Was ist: Bei der Code Conference konnten Besucher innerhalb weniger Stunden zunächst Snapchat-Boss Spiegel lauschen, um sich dann an Facebooks-Top-Mitarbeitern Sandberg und Schroepfer zu reiben.

Snapchats Pitch: Spiegel sieht Snapchat nicht nur als Bündel von Features, sondern vielmehr als ein soziales Netzwerk ganz anderen Schlags. So würde bei Snapchat nicht so sehr der Kampf um Aufmerksamkeit im Fokus stehen, wie es bei Facebook der Fall wäre. Auch würde Snapchat eine andere Form der Kommunikation katalysieren wollen – eine persönlichere, eine visuellere. Zudem würde Snapchat die Privatsphäre der Nutzer mehr respektieren – ein Feature, das Facebook übrigens sehr gern von Snapchat kopieren dürfe, wie Spiegel höhnisch verlauten ließ.

Facebooks Pitch: Sandberg und Schroepfer hingegen sahen sich nach all dem Wirbel um Cambridge Analytica sehr viel stärker in der Defensive. Sie betonten, welche außergewöhnlichen Rollen Facebook in der Gesellschaft mittlerweile einnehmen würde – etwa nach Katastrophen, etc.

Be smart: Während Facebook sich zwar moralisch in der Defensive befindet, sind ihre Zahlen prächtiger denn je. Bei Snapchat sieht es wirtschaftlich nicht so pralle aus. Wir dürfen also gespannt sein, wie lange Spiegel die Moral noch hochhalten kann.

Nur für Social-Pessimisten und Valley-Kritiker: Am Ende ist Snapchat natürlich auch nur daran interessiert, dass wir maximal oft ihre App nutzen und uns mit witzigen Lenses die Zeit vertreiben, anstatt die Dinger aus der Hand zu legen und uns mit den wirklichen Problemen dieser Welt auseinanderzusetzen – Klimawandel, Fluchtursachen, Auseinanderdriften der Gesellschaften, Populismus, Nationalismus… Von daher ist es bei Spiegel mit der Moral natürlich auch nicht so weit her.


Facebooks Kampf gegen Desinformation

Was ist: Facebook möchte im Kampf gegen Desinformationen – insbesondere bei den anstehenden Wahlen in Mexiko, Brasilien und den USA – endlich vorankommen. Deshalb ermöglichen sie Wissenschaftlern Zugang zu Facebooks Datenschatz. Damit Facebook aber kein zweites Cambridge Analytica erlebt, arbeiten die Wissenschaftler mit verschlüsselten Laptops, bei denen jeder Klick protokolliert wird.

Wie genau soll das funktionieren? Die Wissenschaftler haben nur Zugang zu Daten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit ihrer Fragestellung stehen. Die Wissenschaftler müssen diesen Zugang vorab begründen und beantragen. Facebook selbst wird die Wissenschaftler nicht überwachen – das macht ein extra dafür eingesetztes Expertengremium.

Was soll das alles? Facebook sieht sich immer wieder mit Vorwürfen hinsichtlich der eigenen Transparenz konfrontiert. Gerade Wissenschaftler beschweren sich seit langem, dass sie nur unzureichend Zugang zu Facebooks Daten hätten – um etwa herauszufinden, welche Rolle Facebook bei Wahlen spielt. Der Fall Cambridge Analytica hatte diese Situation noch verschärft (Facebook weiß immer noch nicht genau, welche Daten CA hatte / hat). Jetzt scheint Facebook einen Weg gefunden zu haben, Wissenschaftlern trotzdem mehr und zugleich aber auch sehr viel strenger überwachten Zugang zu gewähren.

Be smart: Die Initiative ist prinzipiell zu begrüßen. Allerdings wäre es auch fantastisch, wenn Wissenschaftler noch einmal mit gleicher Akribie untersuchen könnten, welche Rolle Facebook in der Vergangenheit bei Wahlen gespielt hat – das ist aber nicht vorgesehen. Der Blick gilt einzig und allein der Zukunft.


Lesetipps fürs Wochenende

Facebook und der Datenschutz: Sebastian Meineck hat für Vice Deutschland ein hübsches Experiment gewagt. Im Nachgang zum Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung hat er ausprobiert, wie der Prozess der Kontoeröffnung bei Facebook abläuft. Sagen wir mal so: Facebook versucht weiterhin alles, damit Nutzer maximal viele Daten freigeben. „Privacy by default“ ist das nicht gerade. 11 Screenshots, die zeigen, das Facebook Datenschutz immer noch nicht ernst nimmt

Alles nur noch Clickbait? Kevin Munger hat sich in seiner Dissertation mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich politische Kommunikation online darstellt. Einen Ausschnitt aus seiner Arbeit gibt es in entsprechend redaktionell aufbereiteter Art und Weise bei The Outline zu lesen: How everything on the internet became clickbait.

Lang lebe die Homepage: Neue Zahlen von Chartbeat zeigen, dass bei der mobilen Internetnutzung mehr Menschen direkt eine Website aufrufen als via Facebook Nutzer zu den Angeboten gelockt werden.


Neues von den Plattformen

Facebook Messenger

  • Abstimmungen: Facebooks Messenger Stories bietet jetzt analog zu den Funktionen bei Instagram auch einen Poll an. Falls das jemand schon immer nutzen wollte, now you can.

Facebooks Messenger Kids

  • Kein Freundschaftszwang: Würde ich jemals in Erwägung ziehen, dass meine Kinder Facebooks Messenger Kids nutzen sollten, würde ich mich über dieses Feature vermutlich freuen: Möchten zwei Kids über den Messenger Kontakt aufnehmen, müssen die Eltern nun nicht mehr bei Facebook miteinander befreundet sein. Makes sense, I guess. Aber wie gesagt, nix für mich. Wobei: Den Kids zu sagen, sie mögen bitte Signal benutzen, ist wahrscheinlich das neue „Du rufst dann an, wenn du da bist“! Total peinlich, Papa!

One more thing

Danke Gruner+Jahr! Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für das Sponsoring des Social Media Watchblogs in den vergangenen drei Monaten bedanken! Das wäre alles nicht möglich gewesen, wenn sich G+J CEO Julia Jäkel nicht persönlich dafür eingesetzt hätte. Unglaublich toll, dass das funktioniert hat. Herzlichen Dank!

Briefing für den 30.5.2018 | Ausgabe #459

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 459. Ausgabe des Social Media Watchblogs! Das Wetter ist wunderbar und die News überschaubar. Von daher an dieser Stelle ein für meine Verhältnisse eher kürzeres Update. Ich bedanke mich wie üblich für das Interesse und wünsche gute Lektüre, Martin & Team


6 Gründe, warum Social Media ein Bummer ist

Was ist: Jaron Lanier, der mit den krassen Dreads, hat ein neues Buch geschrieben. Der Titel „Ten Arguments for Deleting Your Social Media Accounts Right Now“ ist Programm.

Warum ist Social Media ein Bummer? Jaron Lanier hat nichts gegen das Internet. Im Gegenteil. Er arbeitet ja auch für Microsoft. Und die machen ja mit ihrer Cloud-Sparte bekanntermaßen auch Sachen im Internet. Lanier hat auch nichts gegen Smartphones. Oder Netflix. Er hat einzig und allein etwas gegen Social-Media-Plattformen, die er für geradezu toxisch hält und deshalb auch lieber unter dem Acronym „Bummer“ (zu deutsch: Horrortrip) zusammenfasst.

Wofür steht denn überhaupt Bummer? Bummer steht für Behaviours of Users Modified, and Made into an Empire for Rent.

Was ist so schlecht an Social Media aus Laniers Sicht?

  • Ausverkauf von Aufmerksamkeit: Lanier hat wenig übrig für die Art und Weise, wie Social-Media-Plattformen strukturiert sind. Vor allem verachtet er, dass der Lauteste stets am meisten Aufmerksamkeit bekommt.
  • Überwachung: Lanier ist fundamental gegen die Komplett-Überwachung und die damit einhergehende Anhäufung von Daten.
  • Content, Content, Content: Lanier spricht vom Mästen, wenn er anprangert, wie Social-Media-Plattformen via Algorithmen den Nutzer nur mit dem Versorgen, was ihn vermeintlich interessiert.
  • Verhaltensmodifikation: Lanier wirft den Social-Media-Plattformen vor, das Verhalten der Nutzer zu manipulieren. Vollkommen zurecht, wie ich finde.
  • Das Geschäftsmodell: Zudem stört er sich massiv daran, dass das Geschäftsmodell der Social-Media-Plattformen darin besteht, die angesammelten Daten dafür zu nutzen, dass Dritte (er nennt sie „the worst people“ und meint damit wahrscheinlich auch Dich!) sich ebenfalls darin versuchen können, dich zu manipulieren.

Money-Quote:

While we can’t know what details in our world would be different without Bummer, we can know about the big picture. Like climate change, it will lead us into hell if we don’t self-correct.

Mehr: Falls dich das Buch und Laniers Thesen interessieren, dann kannst du beim Guardian mehr erfahren.


Facebooks Kampf gegen Desinformation

Was ist: Facebooks Kampf gegen Desinformation ist auch ein Kampf um gute PR. Deshalb überrascht es wenig, dass WIREDs Chefredakteur Nicholas Thompson die Gelegenheit hatte, sich mit neun Facebook-Mitarbeitern zu diesem Thema zusammen zu setzen.

Warum ist das interessant: Facebook hat ein erhebliches Problem hinsichtlich der Verbreitung von Falschinformationen und anderem Schrott, der entweder politisch oder finanziell motiviert ist. Bei zwei Milliarden Nutzern herauszufinden, welche Story auf der Plattform zirkulieren sollte, und welche vielleicht eher im News Feed quasi begraben wird, ist eine riesige Aufgabe für Facebook – und ein riesiges Thema für eine aufgeklärte Gesellschaft, die sich nicht komplett darauf verlassen darf, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen darüber entscheidet, was Falschinformationen sind.

Wie geht Facebook bei dem Thema vor? In den letzten eineinhalb Jahren hat Facebook tatsächlich eine Menge unternommen – und auch für Facebooksche Verhältnisse sehr transparent darüber berichtet. So hat Facebook unter anderem Fact-Checker-Initiativen gelauncht und versucht, sich mit Machine Learning Skills gegen Clickbait zu wehren.

Be smart: Facebooks Kampf gegen Desinformationen hat natürlich auch Konsequenzen für deine eigene Arbeit – z.B. mit Blick darauf, welche Inhalte im News Feed auftauchen (Hallo Engagementbait-Freunde!). Deshalb sei dieses sehr lange Gruppen-Interview von WIRED mit den Facebook-Mitarbeitern durchaus empfohlen: How Facebook Wants to Improve the Quality of Your News Feed.


Lesetipps:

  • Hass im Netz: Die Kollegen von netzpolitik haben 10.000 Facebook-Kommentare und Tweets an deutsche Abgeordnete gesichtet. Die Analyse zeigt: Wer sich positiv über Migranten und Muslime äußert, darf man Hasskommentaren rechnen. Das gleiche gilt auch für Abgeordnete, die Rechtspopulisten kritisieren. Hier die ganze Analyse lesen: Geflüchtete, Islam, AfD: So toxisch ist die Debatte im Netz
  • Der Job des Social Media Redakteurs – vor allem etwas für Frauen? Diese Frage stelle natürlich nicht ich, sondern Wissenschaftler der Universität Cornell, die sich damit beschäftigt haben, warum vor allem weibliche Kollegen für die Stelle der Social Media Redakteure angesprochen werden. How Social Media Became a Pink Collar Job.

Neues von den Plattformen

WeChat

  • WeChat Mini Games werden von fast einer halben Milliarde Nutzern gespielt. Und weil das eine beachtliche Zahl ist, können wir wohl davon ausgehen, dass Mini Games auch bei WhatsApp oder dem Facebook Messenger bald noch eine sehr viel größere Rolle spielen könnten. WeChat mini games have now amassed nearly half a billion users.

Snapchat

  • Snapchats Sound Lense: Snapchat hat den ersten Filter gelauncht, der auf Sound reagiert. Jetzt lassen sich also nicht nur mit Bewegung, sondern auch mit Geräuschen die Snapchat Lenses in ihrer Form verändern. Ist das nicht spannend, wie wir zwar rumheulen, uns aber zugleich von den Unternehmen komplett vermessen lassen? Snapchat launches its first Lens that reacts to sound.

One more thing

Es ist super warm: Da muss man ganz viel trinken, habe ich gehört:

Briefing für den 25.5.2018 | Ausgabe #458

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 458. Ausgabe des Social Media Watchblogs. Heute mal wieder pickepackevoll mit vielen Lesetipps fürs Wochenende und einigen sehr lebensnahen Tipps und Hinweisen in Sachen Social Media. Ich wünsche eine gute Lektüre und sage Danke für das Interesse, Martin & Team



Facebook lässt Nutzer intime Fotos hochladen

Was ist: Facebook bietet Nutzern aus Sicherheitsgründen nun die Option an, intime Fotos von sich bei Facebook hochzuladen. Hintergrund ist der Kampf gegen Revenge Porn.

Warum macht Facebook das? Nun, es gibt das unschöne Phänomen des sogenannten Rachepornos, das sich dadurch charakterisieren lässt, dass z.B. der Ex-Partner intime Fotos der Verflossenen ohne das entsprechende Einverständnis online stellt. Dies passiert wohl bei Facebook nicht gerade selten, weshalb Facebook jetzt einen Service anbietet, um entsprechende Fotos besser im Netzwerk zu identifizieren und runterzunehmen.

Wie genau funktioniert das?

  • Nutzer müssen sich zunächst an eine zivilgesellschaftliche Organisation ihres Landes wenden (in Großbritannien etwa die „Revenge Porn Helpline“)
  • Danach laden Nutzer ein intimes Bild von sich bei Facebook hoch.
  • Ein Mitarbeiter von Facebook überprüft das Foto und erzeugt daraus einen Hash.
  • Mit diesem Hash gleicht Facebook dann die anderen Fotos ab, um den Revenge Porn zu finden

Das ist doch Wahnsinn! Naja, es ist wie immer ein zweischneidiges Schwert: die Idee, Rachepornos schneller aus dem Netz zu nehmen ist sicherlich hilfreich – mein geschätzter Kollege Simon Hurtz hatte darüber ausführlicher bei der SZ geschrieben, auch dieser Artikel von WIRED ist zu diesem Thema sehr lesenswert. Facebook allerdings neben all den anderen Tausend Datenpunkten, die Facebook eh schon über einen gesammelt hat, auch noch intime Fotos von sich zu übermitteln, ist sicherlich für die allermeisten nur schwer vermittelbar.

Be smart: Hohn und Spott sind bei diesem sensiblen Thema sicherlich nicht angebracht. Zwei Fragen müssen mit Blick auf die Datenschutzpannen bei Facebook aber erlaubt sein:

  • Wie will Facebook garantieren, dass das eingereichte Original-Foto wirklich gelöscht und nicht in Klarform mit dem Nutzerkonto irgendwie doch noch verbunden werden kann?
  • Wie genau sind die Mitarbeiter ausgebildet, die die Fotos sichten und was sind die Auflagen, zu denen sie angestellt sind?

Am Ende ist es womöglich doch alles wieder nur eine Frage des Vertrauens und da hat Facebook leider nun einmal bereits sehr viel Kredit verspielt.



Mehr Transparenz bei politischer Werbung

Was ist: Facebook macht Ernst mit dem Versprechen, Nutzer auf Facebook und Instagram besser darüber aufzuklären, wer hinter welcher politischen Werbung steckt. Auch Twitter kündigt ein ähnliches Vorhaben an.

Warum ist das interessant? Auf Social Media werben neben kommerziellen Anbietern besonders gern Parteien und andere politisch motivierte Gruppen. Gerade im Zusammenhang mit der US-Wahl wurde deutlich, wie etwa die russische Internet Research Agency Werbung bei Facebook schaltete, um US-Bürger zu beeinflussen, ohne dass diese darüber im Bild gewesen wären, wer für die Werbung bezahlt hatte, respektive wer sie geschaltet hatte.

Wie funktioniert das künftig? Wenn ein Nutzer eine politische Werbung bei Facebook sieht, gelangt er über einen Link zum Portal (facebook.com/politicalcontentads), um weitere Informationen zu dieser Anzeige zu bekommen. Dort findet er u.a. Angaben dazu, wie hoch das Budget der Anzeige ist, wie viele Leute diese Anzeige bereits gesehen haben und aus welcher Region die Nutzer vornehmlich stammen, die die Anzeige angezeigt bekommen haben.

Bizarr: Nur eingeloggte Facebook-Nutzer können bislang die Website, auf der die Angaben zu politischer Werbung gesammelt werden, besuchen. Alle anderen müssen draußen bleiben.



Lesetipps fürs Wochenende

  • Facebooks nächster großer Betrug? Einer in Kalifornien eingereichten Klage zufolge soll Facebook massenweise Nutzer und App-Entwickler getäuscht haben, um sich selbst zu retten – genauer gesagt um 2012 das Ruder rumzureißen, hatte Facebook doch viel zu lange den Trend hin zur mobilen Internetnutzung verschlafen. Der Guardian schreibt auf, wie Zuckerberg und andere Top-Manager zwar nach außen erklärten, sie seien von Firmen wie Cambridge Analytica ausgenutzt worden, nach innen aber genau die gleichen Optionen in eigener Sache ausnutzten. What a scheme.
  • Wohnzimmer: Die größte deutsche Facebook-Gruppe hört auf den Namen Wohnzimmer und ist offenbar kein Ort, an dem man länger verweilen möchte. Zwei Kollegen von der WELT haben sich das dankenswerterweise dennoch angetan und berichten in einer Art Ticker, was sie dort erlebt haben. Sehr unheimlich, sehr lesenswert.
  • China-Valley In China wird nichts erfolgreich, was sich nicht der Ideologie der Partei unterwirft: das ist die ernüchternde Zusammenfassung dieses spannenden Einblicks in das chinesische Silicon Valley, den Kollege Christoph Giesen für die Süddeutsche aufgeschrieben hat.


Neues von den Plattformen

Facebook

  • 2-Faktor-Authentifizierung ist bei Facebook jetzt auch über eine Smartphone-App möglich. Bislang war das nur via SMS der Fall und somit nicht gerade Datenschutz-freundlich, wollen doch viele nicht automatisch ihre Telefonnummer bei Facebook hinterlegt wissen.
  • Kampf gegen Desinformation: Facebook hat sich im Kampf gegen Desinformation einiges einfallen lassen: unter anderem auch einen Film darüber, wie sie bei dem Thema vorgehen. PR, aber trotzdem auch ganz sehenswert.
  • Mehr Funktionen für Gruppen: Facebook bietet Gruppen-Admins jetzt die Möglichkeit, sich mit ihren Anliegen direkt bei Facebook zu melden. Auch sammelt Facebook unter facebook.com/community Beispiele für besonders gelungene Gruppen auf Facebook.
  • Gruppen im Journalistischen gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Mark Heywinkel hat sich angeschaut, wie sieben deutsche Publisher mit Gruppen auf Facebook experimentieren.
  • Die Vermittlung von Handwerkern und Haushaltshilfen gehört jetzt auch zum Repertoire von Facebooks Marketplace. Es scheint kaum etwas zu geben, was Facebook nicht anbieten möchte.

WhatsApp

Snapchat

  • Spiegel selbst hat es versaut: Einem Bericht von The Information zufolge ist der große Snapchat-Redesign-Fail allein auf dem Mist von Snaps CEO Evan Spiegel gewachsen. Der Erzählung zufolge habe sich Spiegel von Chinas Apps so beeindrucken lassen, dass er in einer kaum bis gar nicht diskutierten Hauruck-Aktion das Redesign durchgeboxt hat. Tja, so kann sich sogar jemand irren, dem immer nachgesagt wurde, er sei der beste Produkt-CEO aller Social-Media-Apps…
  • The Next Big Media Thing: Um das nächste große Mediending zu finden, baut Snapchat einen eigenen Accelerator auf. Passenderweise hört die Unternehmung auf den Namen „Yellow“.
  • Weniger Targeting: Snapchat-Nutzer bekommen mehr Einstellungsmöglichkeiten in Sachen Targeting – genauer gesagt können sie jetzt auch zielgerichtete Werbung ausschalten.


One More Thing

Die EU Zensur-Maschinen sind im Anmarsch: Während heute also tatsächlich die neue Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt und hoffentlich keine große Abmahnwelle mit sich bringt, stehen bereits die nächsten Bürokratie-Monster vor der Tür: EU censorship machines and link tax laws. Bei den Gesetzgebungs-Ideen geht es einerseits um die Frage, ob wir künftig Filter haben werden, die automatisiert darüber entscheiden, was ins Netz hochgeladen werden darf und was nicht. Andererseits geht es um die Frage, wo wir die Grenzen beim geistigen Copyright ziehen wollen. Wer sich also stark über das GDPR geärgert hat und sich die ganze Zeit dachte, Mensch, hätte ich mich da doch bloß eingebracht, hier ist die Chance!