Briefing für den 27.4.2018 | Ausgabe #451

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 451. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings. Ich habe mir erst einmal eine schöne Frühlings-Erkältung zugezogen und schicke das Briefing deshalb leider heute etwas verspätet raus. Seht`s mir nach und habt ein schönes Wochenende – vielen Dank für das Interesse, Martin & Team



YouTubes Aufräumarbeiten

Was ist: YouTube hat Ideen skizziert, wie sie bei sich auf der Plattform aufräumen wollen.

Was müssen sie denn aufräumen? Im Zuge der öffentlichen Diskussion um die Auswirkungen von Social-Media-Plattformen auf die Gesellschaft, ging es in den letzten Monaten vornehmlich um Facebook und Twitter. Dabei passiert auf YouTube mindestens genau so viel Mist. Ein paar Beispiele:

  • YouTube-Superstar Paul Logan macht sich über Selbstmordopfer lustig.
  • YouTubes Algorithmen sind darauf programmiert, Zuschauern immer krassere Videos zu präsentieren.
  • Weltbekannte Marken haben via automatisierten Prozessen im Umfeld von rechtsextremen Videos Werbung geschaltet.
  • Verbrecher informieren sich auf YouTube, wie man Bomben bauen kann.
  • Kranke Eltern monetarisieren YouTube-Videos, die so ekelhaft sind, dass man garantiert auf keins an dieser Stelle verlinken möchte.

Robert Kyncl, YouTube’s Chief Business Officer: We’ve gone from being a small village to being a city that requires proper infrastructure.

Be smart: Die Ausrede von YouTube, sie seien zu schnell zu groß geworden, ist imho eine billige Ausrede, schließlich gehört YouTube zu Alphabet/Google und hätte somit schon die ganzen letzten Jahre die Option gehabt, Milliarden in bessere Infrastruktur zu investieren. Das wollte man allem Anschein nach nicht. Von daher hält sich mein Mitleid mit YouTube in Grenzen.



7 Tipps von der Deutschen Welle

Was ist: Beim internationalen Journalism Festival in Perugia hat die Deutsche Welle Einblicke in ihre Strategie gewährt, um auf Social erfolgreich zu agieren:

Das sind die Tipps

  • Pay attention to dwell time and retention rates
  • Don`t overproduce
  • Grow your female audience
  • What works in some countries doesn`t work in others
  • It`s not about copying, but inspiring
  • Don`t fret about algorithm changes
  • Don`t hate on numbers

Esra Dogramaci, Senior Editor, Digital at DW: Things like views, reach, clicks and impressions may look impressive on aggregate but are very superficial. They aren’t actionable metrics — meaning we can’t really use them to feed into editorial or content strategy. Things to pay attention to are dwell time, retention rate and watch time. Look at how your content is consumed and shared.



Hart umkämpft: die E-Privacy-Verordnung

Was ist: Während die neue EU-Datenschutzgrundverordnung ab Ende Mai gilt, wird um die sogenannten E-Privacy-Verordnung noch heiß gestritten. Mit harten Bandagen auf allen Seiten.

Worum geht es?

Künftig soll der Zugriff auf Kommunikationsdaten EU-einheitlich geregelt werden. Der Anwendungsbereich der Verordnung reicht dabei über das, was man sich gemeinhin unter Kommunikationsdaten vorstellt, weit hinaus. So soll die eprivacy-Verordnung nicht nur für die klassischen Verbindungsdaten beim Telefonieren oder SMS-Schreiben gelten. Auch Messengerdienste wie WhatsApp, Skype oder Facetime sollen jetzt einbezogen werden. Für solche Dienste sind nicht nur die Kommunikationsinhalte interessant, sondern gerade auch jene Informationen wer, wann, wo und wie lange mit wem kommuniziert. Deshalb sollen auch diese Daten nach der Neuregelung nur dann verarbeitet werden dürfen, wenn die Nutzer ihr Einverständnis gegeben haben.

Be smart: Zu diesen Kommunikationsdaten zählen aber vor allem auch die sogenannten Cookies, also jene Daten, die Nutzer „durchs Netz verfolgen“. Das große Thema bei der E-Privacy-Verordnung mit Blick auf den Datenschutz ist als Tracking – und da sich damit bekanntermaßen wahnsinnig gut Geld verdienen lässt, wird um die Verordnung extrem hart gerungen.



Wie die russische Desinformationskampagne funktioniert

Was ist: Im Zuge der Ermittlungen rund um die versuchte Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl ist viel von der sogenannten Internet Research Agency gesprochen worden. Vox hat nun ein Video produziert, das sehr gut erklärt, wie diese Form der Desinformationskampagne funktioniert hat.



Schon mal gehört

Die Idee mit der Bevorzugung von Local News im News Feed der Facebook-Nutzer ist so eine Sache. Einer Studie zufolge ist nur etwa die Hälfte der News, die ein lokaler News-Sender produziert, auch wirklich lokal. Die andere Hälfte könnte eben auch von allen möglichen anderen Absendern stammen (die aber womöglich in der neuen FB-News-Feed-Logik weniger Reichweite bekommen.) Aber, wie haben wir gerade gelernt: Don`t fret about algorithm changes!



Neues von Snapchat

Spectacles, die Zweite: Snap schmeisst die zweite Generation ihrer smarten Sonnenbrillen auf den Markt. Während der erste Versuch nicht sonderlich erfolgreich war, nimmt Snap nun einen zweiten Anlauf und versucht es mit etwas weniger auffälligen Modellen.

Snapchat weiter für unter 16-Jährige: Weil Snapchat bei unter 16-Jährigen keine ortsbezogenen Daten speichert, braucht die Firma allem Anschein nach nicht die Einverständniserklärung eines Erwachsenen, um den Auflagen der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung gerecht zu werden. Also anders als WhatsApp, das jetzt erst „ab 16“ ist…

Snapchat Snappables: Snapchat gibt Nutzern nun auch die Möglichkeit mit den berühmten Snapchat Lenses Spiele zu spielen. Das Zocken dieser sogenannten Snappables sieht natürlich etwas gagga aus, könnte aber durchaus Spaß machen.



Lesetipps fürs Wochenende:

How likes went bad: Mit Zustimmung und Zuspruch – oder eben ihrer Verweigerung – ließ sich schon immer gutes Geld verdienen, argumentiert Matt Locke in diesem lesenswerten Medium-Artikel. Allerdings hätte Facebook und Co diese Idee ruiniert. Wie sich „das Like“ reparieren ließe: How Likes Went Bad

Orte, speziell für Instagram: In der Dream Machine kreuzen sich Instagram, Werbewelt und der Wunsch von unendlicher Einzigartigkeit. Was die Dream Machine genau ist? Keine Ahnung! Es gibt neun Räume, die nur dafür gebaut wurden, um darin Instagram-Fotos zu knipsen. Kunst. Aber Hallo!

Masterarbeit zu Pegida: Sebastian Meineck, Journalist bei Motherboard / Vice, hat in seiner Masterarbeit das Zusammenspiel von Pegida und traditionellen Medienunternehmen untersucht – sehr lesenswert: Pegida liebt die Lügenpresse.



Sicherheitshinweis

The Field Guide to Security Training in the Newsroom: In einem sehr umfangreichen Dokument haben BuzzFeed und OpenNews dargelegt, wie sich die Sicherheit hinsichtlich digitaler Kommunikation in einem Newsroom gewährleisten lässt. Definitiv ein Bookmark wert!

Briefing für den 26.4.2018 | Ausgabe# 450

Martin

Salut und herzlich Willkommen zur 450. Ausgabe des Social Media Watchblog Briefings! Facebook hat die Quartalszahlen für die ersten drei Monate vorgelegt – um es auf den Punkt zu bringen: die Nutzer und die Werbeindustrie interessiert das Thema Privatsphäre/Privacy/Datenschutz einen Dreck. Mehr dazu, zu Twitters Quartalszahlen und tatsächlich auch Non-Facebook-News im Briefing. Vielen Dank für das Interesse, Martin & Team



Alles, was Du über Facebooks Q1 wissen musst

Was ist: Facebook hat die Quartalszahlen für die ersten drei Monate vorgelegt. Was soll man sagen: sie haben die Erwartungen übertroffen.

Warum ist das spannend? In Anbetracht des Skandals rund um Facebook und Cambridge Analytica schauten viele gebannt auf die Frage, ob Nutzer und Werbetreibende Unternehmen die Plattform zu einem spürbaren Ausmaß verlassen haben. Und nein: haben sie nicht. Im Gegenteil.
Sogar in Nordamerika, wo es zuletzt einen kleinen Einbruch gab, verzeichnet Facebook wieder einen Zuwachs. Und mit Blick auf die Werbeumsätze haben sie etwa gerade in Europa enorme Zuwächse verzeichnen können.

Die wichtigsten Zahlen aus Q1:

Be smart: Facebook hatte bereits während der Daten-Skandal medial voll im Gange war immer wieder betont, dass sie keinen Rückgang der Nutzeraktivitäten spüren würden. Genau das hat sich nun mit Blick auf die Zahlen bestätigt. Nutzern, so scheint es, ist ihre Privatsphäre ziemlich wumpe. Werbetreibende Unternehmen ist Privatsphäre auf jeden Fall schnurz.

Outlook:

  • Facebook geht davon aus, dass die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (GDPR) Auswirkungen auf die Daily und Monthly Active Users in Europa haben wird.
  • Zudem geht Facebook davon aus, dass GDPR einen negativen Einfluss auf den gesamten Online-Werbemarkt haben wird.
  • Facebook wird künftig mehr Werbung in Stories integrieren.

Hat Facebook vor, weniger Daten zu sammeln?



Das darf man ja wohl noch auf Facebook posten!

Was ist: Facebook hat seine Community Standards veröffentlicht (hier die deutsche Version). Das Dokument zeigt u.a. auf, was auf Facebook gepostet werden darf und welche Posts Facebook von der Plattform nimmt.

Warum ist das interessant? Facebook ist für Hunderte Millionen von Menschen ein wichtiger Kommunikationskanal – egal ob es sich dabei um die Möglichkeiten handelt, sich Freunden mitzuteilen, oder ob es sich um den Konsum von Medieninhalten dreht. Welche Posts Facebook toleriert – und vor allem: welche sie von der Plattform nehmen – kann enorme Auswirkungen auf gesellschaftliches Miteinander rund um die Welt haben. (Übrigens: Es gibt an dieser Stelle noch nicht viele wissenschaftliche eineindeutige Studien.)

Was darf man – und was darf man nicht?

  • Ganz im ernst: Das Dokument ist fast 8000 Wörter stark und niemals in so einem Briefing mal eben zusammengefasst.
  • Es gibt allein über 20 verschiedene Kategorien, die Facebook als Vergehen einordnet.
  • Wichtig ist zudem, dass diese Richtlinien z.B. auch für Messenger oder Instagram gelten.

Be smart: Auch Content Moderatoren, die dieses Regelwerk qua Profession zur Anwendung bringen müssen, können unmöglich jede kleine Nuance kennen – erst recht nicht nach nur drei bis fünf Tagen Training, wie es die beiden Regisseure von The Cleaners in ihrer Dokumentation aufzeigen.

Leseempfehlungen zum Thema?



Twitters Quartalszahlen

Was ist: Auch Twitter hat die Zahlen für das erste Quartal 2018 vorgelegt. Damit das hier kein Börsenblatt wird, nur…

… die wichtigsten Zahlen auf einen Blick:

  • 655 Millionen Dollar Einnahmen (21 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr)
  • Monatlich aktive Nutzer insgesamt: 336 Millionen (3 Prozent mehr Vergleich zum Vorjahr)
  • … in den USA: 69 Millionen
  • … international: 267 Millionen (4 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr)

Be smart: Wie diese Zahlen zustande kommen, kann ehrlich gesagt, keiner so richtig beantworten. Vor allem nicht mit Blick darauf, was für ein Sauladen Twitter hinsichtlich #hatespeech, #desinformation, #harassment, Propaganda, Trollen und Fake Accounts weiterhin ist.



Dr. Kogan auf Tour

Was ist: Alexander Kogan, also der durch den Skandal rund um Facebook und Cambridge Analytica berühmt gewordene Wissenschaftler, tourt aktuell in den USA durch die Medien und politische Ausschüsse.

Was sagt er zum Skandal?

  • So richtig viel Neues erzählt Kogan nicht. Wohl auch, weil er ein Non Disclosure Act mit Facebook unterschrieben hat.
  • Seiner Sicht der Dinge zufolge habe er allerdings völlig legal gehandelt.
  • Facebook würde seine Person nur nutzen, weil es der PR-Strategie diene.
  • Auch sei er sich sicher, dass Tausende weitere Entwickler ebenfalls Daten in großem Stil von Facebook abgezogen haben.
  • Zudem würde er sich schon arg darüber wundern, dass Nutzern das nicht klar gewesen sei.

Be smart: Facebook hatte interessanterweise einen Kompagnon von Kogan sogar als Mitarbeiter an Bord geholt – warum nun ausgerechnet Kogan von Facebook so an den Pranger gestellt wird, konnte bislang keiner überzeugend erklären.

Leseempfehlung:



Zum Mitreden

Facebooks Entwickler-Konferenz f8 steht vor der Tür. In aller Regel sind diese Konferenzen eine große Show. Dieses Jahr könnte es anders laufen – vielleicht etwas demütiger. Aber so richtig sicher, dass es wirklich so kommt, ist man sich da noch nicht. [recode]

Es gibt in China ein Facebook für Schönheits-OP: Die Plattform SoYoung hat bereits über 25 Millionen Nutzer, 7000 Kliniken und 25.000 Ärzte an Bord und funktioniert quasi wie ein Yelp für Plastic Surgery. Absurd? Vielleicht. Spannend? Auf jeden Fall. Schließlich ist es ein gutes Beispiel dafür, dass es für eine spezifische Community auch spezielle Apps/Netzwerke geben kann. Die Zeit der universellen Plattformen könnte womöglich wirklich eines Tages vorbei sein. Just saying.

Digitale Social Media Influencer: Es gibt ja bekanntlich kaum etwas, was es nicht gibt. So verwundert mich auch nicht, dass es digitale Influencer bei Instagram gibt, denen Abtertausende folgen und die ihre Reichweite natürlich für Marketing-Posts nutzen. Ohne entsprechende Hinweise allerdings, wie sich herausstellt. Eine lustige Welt.



Tools, Apps, Websites

Snapchat Redesign des Redesigns: Snapchat test aktuell bei einigen Nutzern, die Stories von Freunden wieder neben die Stories von Marken und Publishern zu packen. Also quasi zurück auf Los. Warum Snapchat das macht? Nun: Entweder haben weniger Menschen Stories von Freunden/Publishern geguckt oder sie haben selbst weniger Stories kreiert. Vielleicht erfahren wir nächste Woche beim Earnings Call den Grund.

WhatsApp erst ab 16: WhatsApp erhöht das Mindestalter für die Nutzung der App auf 16 Jahre. Endlich hat man ein Argument, um die Kids aus dem Gruppen-Wahnsinn zu befreien. Hat man nicht? Well. Yeah. Stimmt.

Facebooks Gesichtserkennung wird aktuell Nutzern im Gesamtpaket mit den neuen Terms of Services schmackhaft gemacht. Wer nicht zu der Fraktion gehören möchte, die immer überall auf Ja drückt und sich danach beschwert, dass er von nix wusste, kann sich in diesem Artikel von Watson zum Thema schlau machen.

Instagram Data Download: Wer mag, kann jetzt auch bei Instagram seine Daten herunterladen. Hinsichtlich der Anforderungen, die die neue EU-Datenschutzgrundverordnung vorsieht, ein absehbarer Schritt. Allerdings wäre es noch viel wertvoller, wenn man auch sein Freundesnetzwerk runterladen und in anderen Apps wieder integrieren könnte. Aber das machen die Plattformen natürlich aus gutem Grund nicht möglich.

One More Thing

Briefing für den 20.4.2018 | Ausgabe #449

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Salut und herzlich Willkommen zur 449. Ausgabe des Social Media Briefings. Heute u.a. mit einem Blick auf Facebooks neue Datenschutzoptionen, Snapchats neues Werbeformat und einem Interview mit den Machern von The Cleaners – einem Dokumentarfilm zur Arbeit von Content Moderatoren bei Facebook. Vielen Dank für das Interesse, Martin & Team



Facebooks neue Datenschutzoptionen

Was ist: Facebook hat neue Datenschutzoptionen und möchte gern, dass die Nutzer diesen nun auch zustimmen.

Was du darüber wissen musst:

  • Du musst diesen Optionen nicht zustimmen. Du kannst deinen Account auch einfach löschen.

Was du außerdem noch wissen solltest:

  • Facebooks neue Datenschutzregeln sind keine Antwort auf den Cambridge Analytica Skandal, sondern eine Antwort auf die Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverodnung der EU (GDPR).
  • Die neuen Datenschutzoptionen werden zunächst Nutzern in Europa angezeigt. Nutzer müssen der GDPR entsprechend, ihre bewusste Einwilligung in die Verarbeitung bestimmer Daten geben.
  • Lese-Tipp: A flaw-by-flaw guide to Facebook`s new GDPR privacy changes

Was sich ändert:

  • Shortcuts: Facebook bietet Nutzern nun an einem zentralen Ort die Option, sämtliche Datenschutzeinstellungen vorzunehmen.
  • Sensible Daten: Im Fokus stehen die sogenannten besonders sensiblen Daten: etwa der Glaube, Angaben zur politischen Einstellung oder der Beziehungsstatus. Facebook bietet an, diese nicht mehr für gezielte Werbung zu nutzen.
  • Gesichtserkennung: Überraschenderweise bittet Facebook beim Rollout der neuen Datenschutzoptionen die Nutzer auch darum, der Gesichtserkennung zuzustimmen. Bislang war das Feature in der EU verboten. Jetzt, da Nutzer ihre informierte Einwilligung geben müssen, sieht Facebook die Option, das Feature „endlich“ unters Volk zu bringen.
  • Minderjährige dürfen die Gesichtserkennung nicht verwenden, die vollen Facebook-Optionen nur Einverständniserklärung eines nicht weiter zu überprüfenden Erziehungsberechtigten.
  • Daten von Partnerfirmen: Auch bittet Facebook die Nutzer um ihre Einwilligung, dass Facebook Daten von Dritten nutzen darf, um gezielter Werbung zu schalten.

Kritik an den neuen Optionen:

  • Facebook bietet seinen Nutzern zumeist nur die Option an, etwas zu teilen oder eben nicht. Eine Feinjustierung ist nicht vorgesehen. Solche Optionen würden eh nicht genutzt, heißt es dazu nur immer wieder aus Tech-Kreisen.
  • Die Art und Weise, wie Facebook die Nutzer um Zustimmung bittet, lässt einen schon erahnen, dass Facebook darauf setzt, dass sich Leute ohne groß nachzudenken mal eben durch die neuen Optionen klicken:

Be smart: Facebook suggeriert mit den neuen Datenschutzoptionen, dass die Nutzer wirklich eine Wahl hätten. Am Ende bleibt es aber das Geschäftsmodell, Nutzer so viel wie möglich zu tracken, um das über die Nutzer gewonnene Wissen zu verwenden, damit Dritte auf Facebook gezielter Werbung schalten können. Oder wie Aral Balkan so schön auf Twitter schreibt:

Aral Balkan: Facebook is a factory farm for human beings. It is not your friend, it is not fundamentally good, it is an extractive and exploitative machine. Let’s stop expecting it to be what it is not and regulate it to limit its abuses. PS. Google, etc., have the exact same business model.

Let me put it this way: if Facebook or Google started truly respecting your privacy, they’d go bankrupt. Expecting them to do this – and to do it voluntarily to boot – is the heights of naïveté.



1,5 Milliarden Facebook-Nutzer nicht mehr unter EU-Datenschutz

Was ist: Facebook hat bestätigt, dass die 1,5 Milliarden Nutzer, die nicht in der EU leben, künftig nicht mehr den Terms of Services unterstehen, die an Facebooks Sitz in Irland geknüpft sind.

Warum ist das interessant?

  • Mark Zuckerberg hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass alle Facebook-Nutzer in den Genuss des wohl stärksten Datenschutzes der Welt kommen würden – nämlich dem der EU.
  • Jetzt stellt sich heraus, dass Zuckerberg auch hier nicht transparent agierte: künftig wird 1,5 Milliarden Nutzern weltweit der Anspruch genommen, entsprechendes EU-Recht geltend zu machen.

Warum macht Facebook das? Nun, die neue Datenschutzgrundverordnung sieht erhebliche Strafen vor, sollten Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen. Da ist es für Facebook natürlich attraktiver, das in den USA geltende Datenschutzrecht als Grundlage für die internationalen Nutzern zu nehmen.

Die Details: Dieser Thread auf Twitter erklärt sehr genau, welche Konsequenzen das für die Non-EU-User hat und warum Facebook das macht.

Be smart: Solche Pläne schmiedet man nicht innerhalb von einer Woche. Folglich hat Zuckerberg vor dem US-Kongress und in den Interviews davor alle wissentlich an der Nase herumgeführt. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen für mich anders aus.



Snapchats neues Werbeformat

Was ist: Snapchat bietet ein neues Werbeformat an, das es Nutzern z.B. ermöglicht, direkt auf Snapchat shoppen zu gehen.

Wie funktioniert das? Snapchat lässt Werbetreibende künftig einen Link innerhalb von Filtern setzen, über den dann direkt zum Shop gelangt werden kann, respektive ein Video angeschaut oder eine App heruntergeladen werden kann. Alles direkt innerhalb von Snapchat selbst.

Money Quote:

Sometimes you can’t even tell you are using an ad for your selfie.



Falls Du es verpasst hast

Weibo: Das chinesische Pendant zu Twitter, Weibo, hatte im vorauseilendem Gehorsam angekündigt, in den kommenden drei Monaten Inhalte, die der „gay culture“ zuzuordnen wären, von der Plattform zu nehmen. Daraufhin gab es so viel Protest, dass sich Weibo veranlasst sah, das Vorhaben wieder zurückzunehmen. Dass sie a) überhaupt auf die Idee gekommen sind, spricht nicht für das Unternehmen. Dass es b) technisch möglich ist, bestimmte Inhalte so gezielt aus dem öffentlichen Diskurs herauszunehmen, ist erschreckend.

Telegram: Weil Telegram sich weigerte, der russischen Regierung verschlüsselte Nachrichten zugänglich zu machen, blockierte Russland Millionen von IP-Adressen, die vermeintlich für die Funktionalität des Messengers erforderlich waren. Blöderweise – also aus russischer Sicht – war Telegram allerdings so schnell darin, von einem Server zum nächsten zu ziehen, dass nicht Telegram lahmgelegt wurde, sondern zahlreiche andere Internetdienste. Die ganze Geschichte.

Facebook: Einem beim Investigativ-Portal The Intercept erschienenden Artikel zufolge bastelt Facebook fleißig daran, nicht nur das Verhalten der Nutzer in der Vergangenheit genauestens zu verstehen, sondern auch daran, das künftige zu beeinflussen. Wie das funktioniert.



Lesetipps zum Wochenende

Silicon Valleys Arroganz: So langsam wirkt es so, als ob im Silicon Valley nur noch der IQ zählen würde, der EQ scheint komplett außer Acht gelassen. Das sage nicht ich, sondern M.G. Siegler, seines Zeichens Venture-Kapital-Geber im Auftrag von Google: Arrogance Peaks in Silicon Valley.

Was kommt nach den Social-Media-Giganten? In einer lesenswerten Analyse geht BuzzFeeds Chefredakteur Ben Smith der Frage nach, ob wir am Rande einer neuen Zeitrechnung in Sachen Social Media stehen: Maybe we’ve reached the point where it’s not even possible to have Facebook in common.

Trumps Social Media Direktor: Es gibt dem Vernehmen nach nur diesen einen Menschen, dem Donald Trump in Sachen Tweets komplett vertraut: Dan Scavino. Doch wie ist es eigentlich, Trumps Social Media Direktor zu sein? The Man Behind the President’s Tweets.



One Last Thing

Was ist: Ich hatte das Vergnügen mit den beiden Regisseuren von The Cleaners, über ihren Film zur Arbeit von Content Moderatoren bei Facebook und YouTube zu sprechen – hier ist der Artikel zum Interview.

Warum ist das interessant? Die investigative Dokumentation von Hans Block und Moritz Riesewieck zeigt auf eindrückliche Weise, wie kaum geschultes Personal darüber entscheidet, was wir auf Facebook sehen – und was nicht.

Was erfährt man, was noch nicht bekannt war? Die Dokumentation ist extrem vielschichtig, ich habe unglaublich viel gelernt – im Film und im Interview mit den beiden Regisseuren, einige Beispiele:

  • Content Moderatoren in Manila müssen 25.000 Bilder pro Tag sichten
  • Sie dürfen Bilder überspringen, dann gilt es allerdings als Fehler
  • Wer mehr als drei Fehler pro Monat macht, wird vom Vorgesetzten überprüft
  • Content Moderatoren in Manila bekommen lediglich 3-5 Tage lang eine Einweisung
  • Dann müssen sie das mindestens 100-Seiten umfassende Regelwerk von Facebook verinnerlicht haben
  • Behalten dürfen sie es nicht, weil die Angst zu groß sei, dass jemand das Regelwerk leaken könnte
  • Auf der Liste, der zu sperrenden Inhalte sind verschiedene Terrororganisationen aufgeführt.
  • Erstellt wurde die Liste von Behörden der USA.
  • Bedeutet: Die USA definiert für mehr als 2 Milliarden Menschen, was Terror und was Freiheitskämpfer ist.
  • Viele Content Moderatoren leiden an Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Psychologische Betreuung aber ist an Standorten wie Manila marginal
  • Einmal im Monat gibt es ein Gespräch, bei dem gefragt wird, wie es den Mitarbeitern.
  • Aus Sorge um ihren Job, redet kaum jemand über seine psychologischen Probleme.
  • Die Selbstmordrate ist in der Branche außergewöhnlich hoch.

Ach so: An zwei Stellen haben sich in unserem Gespräch übrigens Fehler eingeschlichen:

  • Erstens sind es natürlich „nur“ etwas mehr als zwei Milliarden Facebook-Nutzer und nicht drei Milliarden
  • Zweitens gehören laut Facebook zu den bald 20.000 Mitarbeitern im Bereich Sicherheit tatsächlich eben auch jene Moderatoren, über die es im Film The Cleaners geht.

Wann kann man den Film sehen? Der Film wird unter anderem auf der re:publica gezeigt, kommt dann Mitte Mai regulär in die Kinos. Wer mag, kann sich hier über die Aufführungstermine informieren.

Über die Arbeit von Content Moderatoren bei Facebook

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Was ist: Ich hatte das Vergnügen mit den beiden Regisseuren von The Cleaners über ihren Film zur Arbeit von Content Moderatoren bei Facebook und YouTube zu sprechen.

Warum ist das interessant? Die investigative Dokumentation von Hans Block und Moritz Riesewieck zeigt auf eindrückliche Weise, wie kaum geschultes Personal darüber entscheidet, was wir auf Facebook sehen – und was nicht.

Was erfährt man in der Doku, was noch nicht bekannt war? Die Dokumentation ist extrem vielschichtig, ich habe unglaublich viel gelernt – im Film und im Interview mit den beiden Regisseuren, einige Beispiele:

  • Content Moderatoren in Manila müssen 25.000 Bilder pro Tag sichten
  • Sie dürfen Bilder überspringen, dann gilt es allerdings als Fehler
  • Wer mehr als drei Fehler pro Monat macht, wird vom Vorgesetzten überprüft
  • Content Moderatoren in Manila bekommen lediglich 3-5 Tage lang eine Einweisung
  • Dann müssen sie das mindestens 100-Seiten umfassende Regelwerk von Facebook verinnerlicht haben
  • Behalten dürfen sie es nicht, weil die Angst zu groß sei, dass jemand das Regelwerk leaken könnte
  • Auf der Liste, der zu sperrenden Inhalte sind verschiedene Terrororganisationen aufgeführt.
  • Erstellt wurde die Liste von Behörden der USA.
  • Bedeutet: Die USA definiert für mehr als 2 Milliarden Menschen, was Terror und was Freiheitskämpfer ist.
  • Viele Content Moderatoren leiden an Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Psychologische Betreuung aber ist an Standorten wie Manila marginal
  • Einmal im Monat gibt es ein Gespräch, bei dem gefragt wird, wie es den Mitarbeitern.
  • Aus Sorge um ihren Job, redet kaum jemand über seine psychologischen Probleme.
  • Die Selbstmordrate ist in der Branche außergewöhnlich hoch.

Ach so: An zwei Stellen haben sich in unserem Gespräch übrigens Fehler eingeschlichen:

  • Erstens sind es natürlich „nur“ etwas mehr als zwei Milliarden Facebook-Nutzer und nicht drei Milliarden
  • Zweitens gehören laut Facebook zu den bald 20.000 Mitarbeitern im Bereich Sicherheit tatsächlich eben auch jene Moderatoren, über die es im Film The Cleaners geht.

Wann kann man den Film sehen? Der Film wird unter anderem auf der re:publica gezeigt, kommt dann Mitte Mai regulär in die Kinos. Wer mag, kann sich hier über die Aufführungstermine informieren.

Briefing für den 17.4.2018 | Ausgabe #448

Martin

Salut! Herzlich Willkommen zur 448. Ausgabe des Social Media Briefings! Schön, dass Du da bist. Heute u.a. im Angebot: Ein Blick auf Facebooks News Feed, mit einigen spannenden Aussagen von Adam Mosseri, und der Frage, was das interne Mantra von Facebooks News-Feed-Team, „From Consumption to Connection“, für Publisher bedeutet. Eine gute Lektüre, Martin & Team



Im Gespräch mit Facebooks News-Feed-Chef

Was ist: Der Skandal rund um Facebook und Cambridge Analytica hat zur Konsequenz, dass sich noch einmal sehr viel mehr Menschen damit beschäftigen, wie Facebook eigentlich funktioniert. Eine sehr erfreuliche Entwicklung, ist es doch essentiell, dass wir uns mit den Tools und Technologien, die wir täglich benutzen, auch wirklich auskennen. Nur so können wir informierte Entscheidungen treffen.

Neben allen Aspekten rund um das Thema Datenschutz ist mir hinsichtlich der Funktionsweise von Facebook eine Sache ganz besonders wichtig – nämlich die Frage, wie groß Facebooks Einfluss darauf ist, was Menschen sehen – und vor allem auch darauf, was Menschen eben nicht sehen.

Gespräch mit Adam Mosseri: Wer sich mit Facebooks Einfluss die Informationsverteilung beschäftigt, landet naturgemäß schnell bei Adam Mosseri – dem Produktverantwortlichen für Facebooks News Feed. Der News Feed ist bekanntermaßen der zentrale Ort, über den Facebook Aufmerksamkeiten verteilt, und in den letzten Monaten mehr und mehr der Anlass für so manch hitzige Auseinandersetzung gewesen.

In der vergangenen Woche hatte ich nun erstmals die Gelegenheit, persönlich mit Adam Mosseri in einem Hintergrundgespräch zu diskutieren. Im Folgenden präsentieren ich einige Aussagen von Mosseri, die sich in diesem Gespräch ergeben haben, und ergänze sie durch Hinweise und Gedanken meinerseits. Los geht`s:

Auf welche Arten geht Facebook Inhalte an, die sie für problematisch erachten?

Adam Mosseri: Problematische Inhalte, wie zum Beispiel Hassrede, werden auf folgende Weise angegangen: Sie werden gelöscht, wenn sie gegen unsere Gemeinschaftsstandards oder Werberichtlinien verstoßen. Derzeit arbeiten 15.000 Menschen bei Facebook an Sicherheits- und Inhaltsüberprüfungen, um dabei zu helfen, die Integrität des News Feed zu gewährleisten.

  • Die Zahl von 15.000 Mitarbeiter klingt enorm. In den Anhörungen sprach Mark Zuckerberg sogar von bald 20.000 Mitarbeitern in diesem Bereich. Es handelt sich dabei aber aktuell – bei allem Respekt – nicht um 15.000 Ingenieure, für die der MIT-Abschluss genau so selbstverständlich ist wie das Motivationsposter im Facebook Büro.
  • Vielmehr sind in dieser Zahl all jene Beschäftigte inkludiert, die etwa in Deutschland über die Bertelsmann-Tochter Arvato angestellt sind und über deren Qualifikationen, sowie Lösch-Regeln nicht viel nach Außen dringt. Ihr Gehalt jedenfalls, so schreibt es die SZ, liegt nur knapp über dem Mindestlohn.
  • Einen enorm guten Einblick in die Arbeit dieser Löschtruppen erhält man im Film The Cleaners – deren Macher ich am Donnerstag für das Social Media Watchblog interviewen werde.
  • Mittelfristig dürften aber, zumindest wenn es nach der Vision von Mark Zuckerberg geht, die menschlichen Content-Moderatoren sowieso eine sehr viel geringere Rolle spielen, setzt doch Facebook derzeit alles daran, dass eine künstliche Intelligenz die Content-Moderation übernimmt. Warum dieser AI Solutionism ein Problem ist, beschreibt BuzzFeed.

Adam Mosseri: Zudem gibt es weitere Arten von problematischen Inhalten, die zwar nicht gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen, aber dennoch irreführend oder schädlich sind – Dinge wie Clickbait oder Sensationslust. Wenn Facebook Beispiele für diese Art von Inhalten findet, wird die Verbreitung im News Feed durch Ranking reduziert.

  • Diese Aussage ist aus zweierlei Gründen interessant: Erstens ist dies für mich ein eindeutiger Beleg dafür, dass Facebook keine neutrale Plattform ist. Vielmehr wird hier neuerlich deutlich, inwieweit Facebook aktiv darauf eingewirkt, welche Inhalte den Nutzer erreichen sollen und welche eben nicht.
  • Zweitens erspart sich Facebook mit der Technik des Downrankings die Diskussion darüber, ob Facebook nun bestimmte Inhalte zensiert oder nicht. Schließlich werden so „problematische“ Inhalte nicht gelöscht, sondern einfach sehr viel weiter unten im News Feed angezeigt – bekommen, so die Rechnung von Facebook, dadurch sehr viel weniger Aufmerksamkeit.

Adam Mosseri: Und zunehmend informiert Facebook die Nutzer durch weitere Details (z.B. Informationen über den Herausgeber auf Wikipedia), damit diese entscheiden können, ob sie Inhalte lesen, ihnen vertrauen oder sie teilen möchten.

  • Facebook testet einigen Berichten zufolge gerade, welche Art von Kontext-Informationen beim Nutzer am besten ankommt. Ich persönlich finde das eine ehrenwerte Idee, da häufig genau der fehlende Kontext, das Problem ist. Sollte Facebook es hinbekommen, dass nicht jeder Inhalt völlig isoliert darsteht, wäre in Sachen Kampf gegen Desinformation einiges gewonnen.
  • Ob allerdings der automatisierte (und damit nicht überprüfte) Verweis auf einen Wikipedia-Artikel an dieser Stelle des Weisheits letzter Schluss sein kann, muss die Praxis zeigen. Zweifel sind hier sicherlich berechtigt.

Ist damit zu rechnen, dass Facebook noch einmal versuchen wird, News und Social zu trennen oder ist das Thema vom Tisch?

Adam Mosseri: Der News Feed wird nicht geteilt. Ausgangspunkt war die Idee, eine Version von Facebook mit einem Ort für Beiträge von Freunden und Familie zu erstellen, und einen weiteren Ort für Beiträge von Seiten einzuführen. Der Test lieferte Facebook wertvolles Feedback – in Umfragen teilten die Menschen Facebook mit, dass sie mit dem News Feed weniger zufrieden waren.

  • Facebook hatte die Option eines separaten Feeds für News nur einige Monate lang getestet. In dieser Zeit konnte beobachtet werden, wie Publisher Einbrüche beim Traffic beklagten. Sicherlich ein Ergebnis, das Facebook trotz aller Bemühungen, die Nutzer so lange wie möglich auf der eigenen Seite zu halten, nicht hätte weltweit sehen wollen.
  • Zudem scheint es wirklich so, als würden Facebook-Nutzer ihr Nutzungsverhalten nur äußert ungern ändern wollen und neue Bereiche (zweiter News Feed, Facebook Watch, etc.) ansteuern. Ironie der Geschichte: Facebook selbst hatte ihnen jahrelang beigebracht, dass der News Feed der zentrale Ort ist, um Inhalte zu entdecken, jetzt kriegen sie das allem Anschein nach nicht aus den Köpfen der User. Einzige Ausnahme: Facebook Stories. Dazu gleich mehr.

Das Motto „Move fast and break things“ wurde mittlerweile abgelöst durch „Move fast with stable infrastructure“, heißt es. Gibt es andere Leitideen für 2018?

Adam Mosseri: Der Fokus verlagert sich von Consumption zu Connection. Dies geht einher mit einem großen Verantwortungsbewusstsein für das, was die Menschen sehen.

  • Außerhalb von Facebook wird der News-Feed-Umbau vor allem unter dem von Tristan Harris abgekupferten Motto „time well spent“ kommuniziert.
  • Meine These war es schon vor einigen Wochen, dass Facebook durch die Besetzung dieses Mottos der Bewegung von Harris und Co den Wind aus den Segeln nehmen wollte. Nun scheint sich das ein Stück weit zu bestätigen, wenn intern vor allem von einem Shift von Consumption zu Connection gesprochen wird.
  • Für Publisher hat dieses neue Mantra enorme Auswirkungen. Im Shane Smithschen Sinne gilt es nun wirklich, Journalismus als „proxy for conversation“ zu verstehen. Es geht in der Social-Media-Logik eben nicht darum, Inhalte zum Konsum anzubieten, sondern darum, dass Nutzer mit diesen Inhalten etwas machen. Und genau das steht dem Verständnis von Journalismus diametral gegenüber: Journalismus ist nicht in erster Linie dafür gedacht, Interaktionen zu erzeugen. Vielmehr geht es vor allem darum, zu informieren. Passivität ist nichts schlechtes.
  • In diesem Zusammenhang auch wichtig: Zuckerberg hat vor dem US-Kongress eingestanden, dass Facebook eine Verantwortung für die Inhalte auf der Plattform hätte. Es gilt nun für Facebook, dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Welche Rolle werden Stories künftig bei Facebook spielen?

Adam Mosseri: Wir sehen einen großen Anstieg bei der Nutzung von Stories, weshalb wir uns zunehmend auf das Thema konzentrieren. Stories sind für die Menschen eine äußerst wichtige Möglichkeit zu kommunizieren.

  • Bei der Präsentation der letzten Quartals-Zahlen musste Facebook zum ersten Mal in der Geschichte des jungen Unternehmens vermelden, dass die Zahl der täglichen Nutzer in Nordamerika rückläufig wäre.
  • Auch hat Facebook bei der Ankündigung, den News Feed umbauen zu wollen, darauf hingewiesen, dass dies eine Abnahme der Zeit, die Nutzer auf der Plattform verbringen, zur Folge haben könnte.
  • Mit Stories scheint Facebook nun ein Produkt gefunden zu haben, dass tatsächlich bei den Nutzern reüssiert und dazu führt, dass sich Nutzer wieder mehr selbst auf Facebook mitteilen (wobei Facebook natürlich zu den Zahlen, wie viele Leute auf Facebook etwas im regulären News Feed posten, stillschweigen bewahrt und deswegen ein eindeutiger Beleg an dieser Stelle fehlt.)
  • Der Grund dafür liegt wohl vor allem darin, dass Nutzer sich in einem vermeintlich geschützterem Raum befinden und nicht im Sinne der Facebook-Logik mit den Inhalten von potentiell Millionen anderen Usern konkurrieren müssen.
  • Für Publisher bedeutet dies dann allerdings: Sollten sich Nutzer künftig vor allem durch ihre Stories klicken, respektive sollte Facebook das in der Art, wie Nutzer Inhalte auf Facebook erleben, weiter forcieren, dann wird dem News Feed womöglich entsprechend weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Wollte man als Publisher das Publikum wirklich auf allen Ebenen erreichen, sollte man wohl bei Stories ebenfalls Präsenz zeigen.

Transparenz: Es handelte sich bei der Diskussion mit Mosseri um ein Hintergrundgespräch und die hier von ihm publizierten Zitate sind von Facebooks PR-Mannschaft zwar gegengelesen, aber nicht in der Aussage verändert worden.

Be smart: Mosseri ist bereits seit Monaten auf großer Erklär-Tour in Sachen News Feed. Ich persönlich finde das positiv, dass sich Facebook an dieser Stelle der Allgemeinheit öffnet. Gleichwohl gilt es natürlich gerade als Publisher nicht so sehr nur auf das eigene Geschäft zu schauen, sondern das Große und Ganze im Blick zu behalten. Beim großen Branchentreffen in Perugia scheint das den Ausführungen von Kollege Fanta zufolge nicht so gewesen zu sein. Be humble.



Aktuelle Lesetipps

Die nächste Milliarde: In gewohnt ausgeruhter Art schaut sich Kollege Frederic Filloux an, warum sich Facebook von den Anhörungen im US-Kongress nicht all zu beeindruckt zeigt und welches Ziel sie eigentlich verfolgen – die nächste Milliarde Nutzer.

Zuckerbergs Lovefest: In den letzten Wochen musste es sich für Facebook-Mitarbeiter in etwa so anfühlen wie für Goldman-Sachs-Mitarbeiter im Jahr 2008: gefürchtet und geächtet. Doch die Performance von Zuckerberg vor dem US-Kongress hat WIRED zufolge vielen Mitarbeitern wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Jaron Laniers Abrechnung mit Facebook: Es gehört zum Kanon der Interneterklärer, sich an Internetpionier Jaron Lanier ordentlich zu reiben: die einen halten ihn für maßlos überbewertet, andere beneiden ihn für seine Ideen. Dieser vielbeachtete TED-Talk ist somit für beide Parteien etwas. Zitat Lanier: „We cannot have a society in which, if two people wish to communicate, the only way that can happen is if it’s financed by a third person who wishes to manipulate them. (…) I don`t call them social networks anymore. I call them behavior modification empires.“



In eigener Sache

Am Haken: Ich habe für brand eins aufgeschrieben, wie soziale Netzwerke – allen voran natürlich Facebook und Instagram – ihre Nutzer beeinflussen, damit diese möglichst oft und möglichst lange die Plattformen nutzen. Dafür habe ich unter anderem mit dem Hooked-Guru Nir Eyal und dem Internetaktivisten Ben Grosser gesprochen. Der Artikel ist jetzt online frei verfügbar.

Briefing für den 12.4.2018 | Ausgabe #447

Martin

Salut, auch heute noch einmal aus gegebenem Anlass ein Blick auf die Anhörung von Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress. Am zweiten Tag gingen die Abgeordneten deutlich härter mit Zuckerberg ins Gericht, wenngleich der Spielplan insgesamt für Facebook aufgegangen sein dürfte: Ahnungslosigkeit vorspielen und Wissensdefizite der Politiker ausnutzen. Herzlichen Dank für das Interesse, Martin & Team



Was man über Tag 2 der Anhörungen wissen sollte & Roundup

Was ist: An Tag 2 der Anhörungen wurde Mark Zuckerberg etwas strenger befragt als am ersten Tag. An vielen Stellen schienen die Politiker sehr viel pointiertere Fragen zu stellen, was gefühlt noch häufiger dazu führte, dass Zuckerberg versuchte, Zeit von der Uhr zu nehmen, indem er den Ahnungslosen spielte.

5 Dinge, die wir von den Anhörungen lernen können:

  • Regulierung wird kommen: Zwar ist sich noch keiner so richtig sicher, wie eine Regulierung aussehen soll, aber dass eine Form der Regulierung seinen Weg in den Gesetzgebungsprozess finden wird, scheint ausgemachte Sache. Kollege Ben Thompson hat in gewohnt ausführlicher Art die beiden wichtigsten Lager zum Thema Regulierung beschrieben.
  • GDPR mit Vorbildfunktion: Viele, viele Male wurde während der Anhörungen die neue EU-Datenschutzverordnung als positives Beispiel gelobt in Sachen Datenschutz. Was dabei allerdings nicht wirklich zur Sprache kam, ist die Tatsache, dass die Macht von Facebook und anderen Tech-Giganten womöglich dadurch weiter verfestigt wird. Ich habe mich darüber mit dem Deutschlandfunk gestern ausführlicher unterhalten.
  • Die Nutzer haben es in der Hand: Vielfach wirkte Mark Zuckerberg in den letzten Tagen und Wochen regelrecht überrascht, wie viel die Nutzer freiwillig von sich preisgeben. Und er hat ja recht: Nutzer können nicht erwarten, dass die Politik aus übertriebener Fürsorge für sie jede technologische Neuerungen in Grund und Boden reguliert. Vielmehr ist der Cambridge-Analytica-Skandal ein guter Anlass, sehr viel stärker über das eigenen Nutzungsverhalten im Netz nachzudenken. Du hast keine Kontrolle darüber, ob du etwas öffentlich teilst oder nicht – mit Facebook teilst du immer deine Daten.
  • Die Politik hat herzlich wenig Ahnung: Die vermeintliche deutsche Wissenselite macht sich ja gern über die Ahnungslosigkeit von deutschen Politikern in Sachen Technologie lustig. Ich persönlich finde diese Form der Auseinandersetzung selbstgerecht und wenig zielführend. Vielmehr sollte man gerade als Journalist dafür Sorge tragen, dass jeder bestmöglich infomiert ist: egal ob Nutzer oder Politiker oder sonstjemand. Dass die Herren und Damen Politiker in den USA zum größten Teil genauso wenig gut aussehen, wenn es um technische Details geht, dürfte vielen bewusst geworden sein in den letzten Tagen. Aufklärung ist elementar.
  • Facebook selbst ist nicht wirklich an Aufklärung interessiert: Zwar hat sich Mark Zuckerberg freiwillig diesem Anhörungs-Marathon gestellt, aber dass er und seine Kollegen wirklich daran interessiert gewesen wären, die Öffentlichkeit über das Geschäftsgebaren Facebooks vollumfänglich aufzuklären, konnte nicht beobachtet werden. Viel zu oft stellte sich Zuckerberg dumm, spielte den Ahnungslosen, verwies bei relativ einfachen technologischen Fragen darauf, dass sich sein Team darum kümmern würde – mit anderen Worten: öffentlich würde es auf die Frage keine Antwort geben.

5 Rechercheraufträge, die wir aus den Anhörungen mitnehmen können:

  • Die Rolle von AI: Mark Zuckerberg hat gerade hinsichtlich der Frage, wie „hate speech“ und dergleichen auf seinen Plattformen entdeckt werden soll, immer wieder auf die künftige Rolle von AI – also Machine Learning / Künstlicher Intelligenz – verwiesen. Bereits in fünf bis zehn Jahren wäre man soweit, dass das automatisch funktionieren würde – wohlgemerkt: entdecken und löschen. Dafür bedarf es meiner Meinung nach strenge Regulierungen und ein genaues Hinschauen, wie Facebook etwa „hate speech“ und Ähnliches definiert.
  • Mehr als Cambridge Analytica: Zuckerberg hat angegeben, dass der Wissenschaftler Kogan die Daten auch an andere Unternehmen weitergereicht haben könnte. Welche Unternehmen sind das?
  • Haben staatliche Akteure Nutzerdaten abgeschöpft? Wenn ich richtig aufgepasst habe, dann wurde bislang noch nicht die Frage gestellt, ob eigentlich auch staatliche Akteure Nutzerdaten von Facebook massenhaft abgeschöpft haben. Dies könnte eine mehr als spannende Recherche darstellen.
  • Schattenprofile aus Sicherheitsgründen: Zwar hat Mark Zuckerberg erklärt, dass er mit dem Begriff „Shadow Profiles“ nicht vertraut sei, sehr wohl aber hat Zuckerberg angegeben, dass Facebook Daten von Menschen sammeln würde, die gar keinen Facebook-Account hätten. Das würde aus Sicherheitsgründen passieren, heißt es. Was genau meint er damit? Wie funktioniert das? Und wo werden diese Daten zu welchem Zweck gespeichert?
  • Wem gehört das „Virtuelle Ich“: Mark Zuckerberg wurde in der Anhörung danach gefragt, wem eigentlich das „Virtuelle Ich“ gehören würde. In seiner lapidaren Antwort darauf verwies er lediglich auf die Möglichkeit der Nutzer, jederzeit seine Inhalte wieder löschen zu können. Das ist natürlich mit Blick auf die Frage ein wunderbares Täuschungsmanöver. Schließlich ging es um die Frage, wie Nutzer all die Informationen löschen können, die Facebook aus etwa werberelevanten Gründen über einen gesammelt hat. So sehr die Frage also auch philosophisch anmutet, kann und sollte ihr ganz lebensnah begegnet werden.

Be smart: Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten weiter ein PR-Feuerwerk von Facebook erleben. Die Botschaft wird sein: Wir haben verstanden, wir stellen uns der Kritik, wir reagieren. Die Aufgabe wird darin bestehen, sehr genau hinzuschauen und sich nicht von den blumigen Aussagen einlullen zu lassen. Dass Facebook weiß, wie PR funktioniert, haben sie in dieser Woche eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Lesetipps

  • Zuckerberg survived Washington but what is Washington going to do about Facebook? [Recode]
  • 43 Themen, auf die Zuckerbergs Team noch Antworten geben muss [Wired]


Morgen widme ich mich in meinem Briefing auch wieder den anderen sozialen Netzwerken, sowie generellen News rund um Social Media. Zudem wird es einen Schwerpunkt zum Thema News Feed geben – inklusive einiger spannender Bemerkungen von Adam Mosseri, mit dem ich am Dienstag spreche konnte. Stay tuned, Martin

Briefing für den 11.4.2018 | Ausgabe #446

Martin

Salut, am Dienstagabend fand die erste Anhörung von Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress statt. Das heutige Briefing beschäftigt sich somit aus gegebenem, historischen Anlass ausschließlich mit den Themen, die von den Senatoren angesprochen wurden, und den Antworten, die Zuckerberg gegeben hat. Vielen Dank für das Interesse an unserem Newsletter, Martin & Team


Update: Hier geht es zu meinem Briefing für den zweiten Tag der Anhörungen – inklusive fünf Ideen für weiterführende Recherchen.


Der erste Tag der Anhörung von Zuckerberg vor dem US-Kongress

Was ist: Über 40 Senatoren haben Mark Zuckerberg mehr als fünf Stunden lang zum Fall Cambridge Analytica, zu russischer Einflussnahme auf US-Wahlen und zu Facebooks grundsätzlichem Geschäftsmodell gegrillt befragt.


Die vier Themen, die Facebook transportiert wissen wollte:

  • Facebook bedauert, dass sie nicht genug getan haben, um Nutzer vor dem Absaugen von Daten durch Dritte geschützt zu haben.
  • Facebook hat bereits vieles in die Wege geleitet, damit Ähnliches nicht erneut passieren kann.
  • Facebook ist grundsätzlich offen für eine Form der Regulierung – über die Details müsse aber natürlich intensiv gerungen werden.
  • Die Nutzer haben volle Kontrolle über ihre Daten.

Worum es eigentlich ging:

Senator Dick Durbin zu Mark Zuckerberg: „Mister Zuckerberg, would you be comfortable in naming us the hotel you stayed in last night? If you’ve messaged anybody this week, would you share with us the names of the people you’ve messaged?“

Zuckerberg: „Senator, no, I would probably not choose to do that publicly here.“

Durbin: „I think that might be what this is all about.“



Die erste große Überraschung der Anhörung: Allem Anschein nach überlegt Facebook tatsächlich, ob es nicht auch eine bezahlte Variante der FB-App geben sollte. Wörtlich sagte Zuckerberg: „Es wird immer eine Version von Facebook geben, die kostenfrei ist.“ Bedeutet also im Umkehrschluss: Facebook schließt nicht aus, dass es eine Paid-Version geben könnte. Der Vorteil der Paid-Version könnte darin liegen, nicht getrackt zu werden. Aber wie Kollege Torsten so schön schreibt:



Die zweite große Überraschung der Anhörung: Offenkundig hat der Sonderermittler in Sachen russische Beeinflussung der US-Wahl Facebook um Hilfe bei den Ermittlungen gebeten und einige Mitarbeiter befragt. Mark Zuckerberg antwortet auf die Frage des Senatoren zunächst, dass dies der Fall gewesen sei, korrigierte sich kurz darauf, um es dann doch wieder zu bejahen. Da steckt was drin.


Einige weitere, spannende Themen, die angesprochen wurden und was man darüber wissen sollte:

AI wird alles richten

  • Immer wieder kam die Frage auf, wie Facebook den Themen False News und Hate Speech begegnen möchte.
  • Die Antwort von Zuckerberg lässt aufhorchen: Zwar sei man jetzt noch nicht so weit, aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren könne Facebook via AI – also künstlicher Intelligenz, respektive Machine Learning – automatisch hate speech, etc. erkennen und löschen.
  • Diese Aussage verdient eine eigene intensive Recherche.

Trackt Facebook Nutzer über Geräte hinweg?

  • Mark Zuckerberg gibt zu Protokoll, dass er das nicht so genau wisse.
  • Die Antwort lautet: Hell yes! Facebook propagiert es sogar als Feature für Unternehmen, um Nutzer besser zu targeten. (Beleg)

Liest Facebook Direct Messages, um die „ad experience“ zu verbessern?

  • Zuckerberg wüsste nicht, dass das passiert. Sein Team würde sich um die Beantwortung der Frage kümmern.
  • Die Antwort auf die Frage lautet allerdings: Ja, Facebook hatte die DMs zwischen Nutzern wohl analog zum Vorgehen bei Google gescannt. Der Rechtsstreit ist in dieser Sache immer noch anhängig.

Sind die Daten der Nutzer wirklich gelöscht, wenn sie sie löschen?

  • Mark Zuckerberg antwortet zunächst, dass die Daten dann sehr wohl gelöscht wären.
  • Auf die Nachfrage, wie lange Facebook die Daten noch vorhalten würde, wenn ein Nutzer eine Löschung vornimmt, konnte Zuckerberg keine Antwort geben. Es würde schnell gehen. Aber letztlich müsste er das noch einmal mit seinem Team besprechen.
  • In diesem Zusammenhang auch wichtig: Facebook kann keine Garantie dafür geben, dass die Daten, sollten sie z.T. mit Dritten geteilt worden sein, auch gelöscht würden. Ist ja eigentlich klar. Aber trotzdem wichtig zu betonen an dieser Stelle.

Ob Facebook Nutzer auch außerhalb von Facebook tracken würde:

  • Mark Zuckerberg konnte in diesem Zusammenhang noch nicht einmal so richtig erklären, wie das mit den Cookies, respektive mit dem Like-Button funktioniert, die das Surfverhalten der Nutzer dokumentieren. Da müsse er sein Team fragen. Könnte er aber doch eigentlich wissen – geht nämlich so.
  • Dabei ist Facebook sogar so ausgefuchst, dass sie Nutzer in der echten Welt tracken.

Durfte Kogan die Daten, die er über seine App „ThisIsYourDigitalLife“ abgefragt hatte, an Dritte weiterverkaufen?

  • Facebook hatte dies bislang stets verneint.
  • In der Anhörung wurde Zuckerberg aber mit Facebookschen Terms Of Services konfrontiert, die dies explizit erlaubten.

Wer liest eigentlich die Terms of Services?

  • Facebook erklärt, dass sie keine Ahnung hätten, wie viele Leute wirklich die ToS lesen würden.
  • Eigentlich schwer vorstellbar, ist Facebook doch ein Großmeister in Sachen Tracking. Dass sie ausgerechnet keine Ahnung haben, wie viele Leute die ToS lesen, ist schwer vorstellbar.

Ist Facebook ein Monopol?

  • Mark Zuckerberg erklärt hierzu, dass es sich definitiv nicht so anfühlen würde.
  • Allerdings kann er auch keinen direkten Konkurrenten nennen.



Wie geht es jetzt weiter?

  • Am Mittwoch findet noch eine weitere Anhörung statt – 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
  • Danach wird es Überlegungen seitens der Abgeordneten geben, ob und wie Facebook strenger reguliert werden muss. Einige Beobachter sind der Auffassung, dass dies kaum Sinnvolles hervorbringen würde, schließlich würden die Senatoren Facebook einfach nicht verstehen.
  • Zudem ist laut Polit-Experten nicht damit zu rechnen, dass ernsthafte Regulierungen vor den Midterm Elections auf den Weg gebracht werden. Zu groß sind die Abhängigkeiten der Politiker von Facebook. Keine Ironie.


Meine Arbeit unterstützen

Ich bin hundemüde, ist es doch bereits 2:14 Uhr. Ich belasse es jetzt mal dabei und freue mich auf eine ausgeruhtere Betrachtung der Dinge im Laufe des Mittwochs. Sämtliche Grammatikfehler und dergleichen möge man mir an dieser Stelle verzeihen. Über mein Gespräch mit Adam Mosseri berichte ich in der Donnerstags-Ausgabe des Briefings. Danke!

Falls du zufälligerweise meine Arbeit unterstützen möchtest, dann freue ich mich über eine einmalige Spende via Paypal oder eine monatliche Unterstützung via Steady. Herzlichen Dank, Martin!