Was kommt denn heute bei Facebook?

Martin

Warum Nutzer bei Facebook immer mehr zum Zuschauen degradiert werden, warum Facebook dadurch immer mehr zum Fernsehen wird und warum das zu großen Teilen nur den alten Eliten hilft.

Auf Facebook waren am Anfang alle Nutzer gleich: Privatpersonen, Filmstars und Marken, sie alle kämpften um Aufmerksamkeit. Doch das ändert sich immer mehr: Neue Tools wie Livestreaming und Instant Articles stehen nur großen Marken zur Verfügung. Zwar kann heute im Facebook-Sinne jeder eine Marke werden, aber dazu später mehr. Normale User jedenfalls werden durch dieses Vorgehen immer mehr zum Zuschauer – und Facebook dadurch immer mehr zum Fernsehen.

Klar, Facebook lebt davon, dass Nutzer auf der Plattform nach guten Inhalten suchen: die Hochzeits-Fotos der Cousine, das Selfie vom Lieblings-Sportler und das Aufreger-Video des Tages. Facebook verbindet den normalen Usern mit seinen Freunden genauso wie er ihn mit Stars und Marken verbindet. Doch während früher alle gleichermaßen gehört wurden, übernehmen heute immer häufiger die etablierten Stars und Medienanbieter den Kanal.

Das hat verschiedene Gründe:

  • Erstens legt Facebook großen Wert darauf, dass Nutzer mit qualitativ hochwertigen Inhalten versorgt werden. Diese kommen in der Facebook-Logik sehr häufig von großen Medienunternehmen.
  • Zweitens basiert Facebooks Geschäftsmodell darauf, Reichweite für Geld zu verkaufen. Sprich: Wer viele Nutzer erreichen möchte, muss zahlen. Da sich das aber natürlich nur große Medienunternehmen leisten können(und auch wollen), setzen sich besonders häufig Facebook-Posts von etablierten Inhalte-Anbiertern durch.
  • Drittens werden neue Werkzeuge wie etwa die jüngst eingeführte Möglichkeit, auf Facebook live Video zu streamen, nur einer ganz bestimmten Gruppe an Facebook-Usern zur Verfügung gestellt. Das ist auch von Facebook ganz klar so gewollt: Die Livestreaming-Funktion soll Stars besser mit den Fans vernetzen [fb].
  • Viertens setzt Facebook massiv auf Video.

Diese Entwicklung führt dazu, dass Facebook immer mehr passiv genutzt wird. Zahlen unterstreichen diese Entwicklung [GlobalWebIndex]. Die User werden immer weniger ermutigt, wirklich selbst zu publizieren. Liken, kommentieren und teilen – das scheint der für die normalen Nutzer primär vorgesehene Facebook-Dreikampf.

Dass vor allem Stars an ihre Fans senden dürfen, gab es schon einmal. Das hieß damals Fernsehen. Wahrscheinlich lässt sich damit einfach mehr Geld verdienen. Das führt allerdings auch dazu, dass die neuen Eliten in weiten Teilen die alten sind.

Also: How Facebook, Apple and Twitter are ending online equality. [ComputerWorld]

UPDATE: Kaum schimpfe ich, kommt Facebook mit einem neuen Editor um die Ecke, der User künftig wohl befähigt, Blogposts direkt auf Facebook zu publizieren.